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Dieses Quellenverzeichnis ist die wissenschaftliche Grundlage zum Pferde CAMPUS-Video „Rationsberechnung einfach erklärt“ von balance4animals – eine nach Themen geordnete Sammlung peer-reviewter Studien und veterinärmedizinischer Referenzwerke für Pferdefreunde, die nachvollziehen möchten, worauf jede Aussage im Video beruht. Eine Rationsberechnung ist der rechnerische Abgleich zwischen dem, was dein Pferd tatsächlich frisst, und dem, was es nach anerkannten Bedarfswerten braucht. Alle Aussagen im Video sind hier belegt.

Autorin: Sabine Stamm, Mitgründerin von balance4animals. Über 15 Jahre Erfahrung, spezialisiert auf individuelle und artgerechte Pferdeernährung.

1. Grundlagen der Rationsberechnung – Referenzsysteme

Jede seriöse Rationsberechnung stützt sich auf anerkannte Bedarfswerte. Zwei Referenzsysteme bilden weltweit die Grundlage: das US-amerikanische NRC (2007) und die deutschsprachige GfE (2014). Beide leiten den Bedarf aus dem metabolischen Körpergewicht ab – also nicht direkt aus dem Gewicht, sondern aus dem Körpergewicht hoch 0,75 (KG hoch 0,75), weil der Stoffwechsel nicht linear mit der Masse steigt. Die GfE rechnet mit umsetzbarer Energie (ME) und präzäkal verdaulichem Protein – dem Proteinanteil, der bereits im Dünndarm (vor dem Blinddarm) verdaut und aufgenommen wird. Praxis-Richtwerte, etwa zu Grenzwerten der Fütterung, stammen zusätzlich aus dem deutschsprachigen Standardlehrbuch von Meyer & Coenen (2014).

  • National Research Council (2007). Nutrient Requirements of Horses. 6. überarbeitete Auflage. National Academies Press, Washington DC. Standardwerk der Pferdeernährung im angloamerikanischen Raum. Grundlage aller Bedarfsempfehlungen zu Energie, Protein, Aminosäuren, Mengen- und Spurenelementen sowie Vitaminen.
  • Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (2014). Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Pferden. DLG-Verlag, Frankfurt am Main. Deutschsprachige Bedarfsempfehlung, Basis der meisten europäischen Rationsberechnungen. Arbeitet mit umsetzbarer Energie (ME) und präzäkal verdaulichem Protein.
  • Meyer H, Coenen M (2014). Pferdefütterung. 5. Auflage. Enke Verlag, Stuttgart. Deutschsprachiges Standardlehrbuch der Pferdefütterung – Grundlage vieler in der Praxis gebräuchlicher Richtwerte, unter anderem des tolerierbaren Calcium-Phosphor-Rahmens und der Stärkeobergrenze pro Mahlzeit.
  • Kienzle E, Zeyner A (2010). The development of a metabolizable energy system for horses. Journal of Animal Physiology and Animal Nutrition 94(6):e231–e240. doi:10.1111/j.1439-0396.2010.01015.x. Wissenschaftliche Begründung der Umstellung vom DE- auf das ME-System bei Pferden.
  • Liburt NR (2026). Nutritional Requirements of Horses and Other Equids. Merck Veterinary Manual (Professional Version). Klinisch orientierte Zusammenfassung der NRC- und GfE-Empfehlungen für die tierärztliche Praxis. Frei verfügbar: msdvetmanual.com

2. Streuung der Heuqualität und Spurenelement-Versorgung

Heu ist kein standardisiertes Futter. Sein Mineralstoffgehalt schwankt erheblich – je nach Standort, Schnittzeitpunkt und Pflanzenzusammensetzung. Genau deshalb ist eine Heuanalyse (die laborchemische Untersuchung einer Heuprobe) die Basis jeder belastbaren Rationsberechnung. Eine bayerische Feldstudie fand, dass 57 % der Pferde die empfohlene Zinkmenge und 75 % die empfohlene Selenmenge nicht erreichten. Der Zinkbedarf eines 500-kg-Pferdes liegt bei etwa 425 mg pro Tag (NRC 2007); als Zielwert im Gesamtfutter gelten rund 30–40 mg Zink pro kg Futter-TS (GfE 2014). Viele hofeigene Heue liefern jedoch nur 13–16 mg Zink pro kg Trockensubstanz (Zakova et al. 2016), sodass rechnerisch eine Lücke bleibt. Beim Selen zeigt sich dasselbe Muster: Auf hofeigenem Raufutter wurden Gehalte um 0,025 mg Selen pro kg TS gemessen (Zakova et al. 2016) – ein Bereich, der als Mangel gilt.

  • Wichert B, Frank T, Kienzle E (2002). Zinc, Copper and Selenium Intake and Status of Horses in Bavaria. Journal of Nutrition 132(6 Suppl 2):1776S–1777S. doi:10.1093/jn/132.6.1776S. Bayerische Feldstudie mit dem zentralen Befund, dass 57 % der Pferde die empfohlenen Zink-Mengen und 75 % die empfohlenen Selen-Mengen nicht erreichten.
  • Kienzle E, Möllmann F, Feige K, et al. (2008). Mineral content of hay harvested in Bavarian and Swiss horse farms. Journal of Animal Physiology and Animal Nutrition 92(6):712–717. doi:10.1111/j.1439-0396.2007.00769.x. Grundlagenarbeit zur Streuung der Mineralstoffgehalte in mitteleuropäischem Heu – je nach Standort, Schnittzeitpunkt und botanischer Zusammensetzung.
  • Schlegel P, Wyss U, Arrigo Y, Hess HD (2016). Mineral concentrations of fresh herbage from mixed grassland as influenced by botanical composition, harvest time and growth stage. Animal Feed Science and Technology 219:226–238. doi:10.1016/j.anifeedsci.2016.06.022. 236 Grünlandproben – bestätigt, dass Erntezeitpunkt und Wachstumsstadium die Mineralstoffgehalte erheblich beeinflussen; Kobalt und Selen liegen häufig an der Nachweisgrenze.
  • Zakova N, Szakova J, Tremlova J, Najmanova J, Tlustos P (2016). The soil-plant-feed transport of selenium and other essential micronutrients in diet of sport and recreational horses at two different locations. Journal of Animal and Feed Sciences 25:317–325. doi:10.22358/jafs/67805/2016. Feldstudie mit Zink-Gehalten im Heu von 13,8–16,1 mg/kg Trockensubstanz und Selen-Gehalten von 0,021–0,028 mg/kg – deutliches Defizit auf hofeigenem Raufutter.

3. Calcium-Phosphor-Verhältnis und Knochenstoffwechsel

Bei Calcium und Phosphor kommt es nicht nur auf die Menge an, sondern auf das Verhältnis zueinander. Als tolerierbarer Rahmen gilt ein Verhältnis von 1:1 bis 3:1 (Calcium zu Phosphor); Phosphor sollte dabei nie überwiegen (Meyer & Coenen 2014). In der Praxis strebt man einen engeren Zielkorridor von 1,5:1 bis 2:1 an. Kippt das Verhältnis dauerhaft zugunsten des Phosphors, entzieht der Körper den Knochen Calcium – im Extremfall entsteht die als „Big Head“ bekannte Auftreibung der Kopfknochen (sekundärer nutritiver Hyperparathyreoidismus; Toribio 2011).

  • Toribio RE (2011). Disorders of calcium and phosphate metabolism in horses. Veterinary Clinics of North America: Equine Practice 27(1):129–147. doi:10.1016/j.cveq.2010.12.004. Umfassende Übersicht zu Calcium- und Phosphorstoffwechsel beim Pferd, inklusive der Folgen unausgeglichener Ca:P-Verhältnisse (Big Head, sekundärer nutritiver Hyperparathyreoidismus).
  • Meyer H, Coenen M (2014). Pferdefütterung. 5. Auflage. Enke Verlag, Stuttgart. Nennt den in der Praxis tolerierbaren Rahmen für das Calcium-Phosphor-Verhältnis von 1:1 bis 3:1 (Phosphor soll nie überwiegen); als engerer Zielkorridor gelten 1,5:1 bis 2:1.

4. Nichtstruktur-Kohlenhydrate, Hyperinsulinämie und Laminitis

4. Nichtstruktur-Kohlenhydrate (NSC) – Zucker, Stärke und Fruktane – sind der kritischste Hebel in der Fütterung stoffwechselempfindlicher Pferde. Als Faustregel sollte die Stärkezufuhr 1 g Stärke pro kg Körpermasse und Mahlzeit nicht überschreiten (Meyer & Coenen 2014); darüber wird die präzäkale (dünndarmseitige) Stärkeverdauung überfordert, unverdaute Stärke gelangt in den Dickdarm und der Insulinspiegel steigt stark an. Diese dauerhaft überhöhte Insulinantwort – die Hyperinsulinämie – gilt als zentraler Auslöser der endokrinopathischen Hufrehe (Laminitis). In einer kontrollierten Diätstudie entwickelten 14 von 37 Ponys unter hoher NSC-Zufuhr eine klinische Laminitis.

  • Meier AD, de Laat MA, Reiche DB, Pollitt CC, Walsh DM, McGree JM, Sillence MN (2018). The oral glucose test predicts laminitis risk in ponies fed a diet high in nonstructural carbohydrates. Domestic Animal Endocrinology 63:1–9. doi:10.1016/j.domaniend.2017.10.008. Experimentelle Diätbelastung mit hoher NSC-Zufuhr – 14 von 37 Ponys entwickelten klinische Laminitis. Zentraler Beleg für die Kausalkette hohe NSC-Zufuhr zu Hyperinsulinämie zu endokrinopathische Hufrehe bei prädisponierten Tieren.
  • Meyer H, Coenen M (2014). Pferdefütterung. 5. Auflage. Enke Verlag, Stuttgart. Praxis-Richtwert zur Begrenzung der Stärkezufuhr: nicht mehr als etwa 1 g Stärke/kg Körpermasse und Mahlzeit, um eine Überforderung der präzäkalen Stärkeverdauung zu vermeiden.

5. Übergewicht, Body Condition Score und strukturierte Rationsanpassung

Übergewicht ist beim Pferd weit verbreitet: In einer kanadischen Praxispopulation waren 20,3 % der Pferde überkonditioniert und 8,3 % bereits adipös. Der erste Schritt ist immer die Einschätzung – der Body Condition Score (BCS), eine standardisierte Bewertung des Ernährungszustands durch Ansehen und Abtasten definierter Körperstellen, ganz ohne Waage. Eine Rationsanpassung wirkt am besten, wenn sie strukturiert erfolgt: Die Ration wird kontrolliert und schrittweise reduziert und der Erfolg regelmäßig überprüft, statt das Futter abrupt zu streichen.

  • Robinson KA et al. (2017). Prevalence of obesity in the equine population of Saskatoon and surrounding area. Canadian Veterinary Journal 58(9):967–973. PMID:28878421. Praxispopulation mit 20,3 % überkonditionierten und 8,3 % adipösen Pferden – repräsentativer Blick auf das Ausmaß des Problems.
  • Dugdale AHA, Curtis GC, Cripps P, Harris PA, Argo CMcG (2010). Effect of dietary restriction on body condition, composition and welfare of overweight and obese pony mares. Equine Veterinary Journal 42(7):600–610. doi:10.1111/j.2042-3306.2010.00110.x. Kontrollierte Rationsrestriktion über zwölf Wochen bei übergewichtigen Ponystuten – belegt die Wirksamkeit strukturierter Rationsanpassung und die Grenzen grober BCS-Schätzungen.
  • Bamford NJ, Potter SJ, Baskerville CL, Harris PA, Bailey SR (2019). Influence of dietary restriction and low-intensity exercise on weight loss and insulin sensitivity in obese equids. Journal of Veterinary Internal Medicine 33(1):280–286. doi:10.1111/jvim.15363. Randomisierte Studie mit 24 adipösen Pferden und Ponys – zeigt, dass Diät plus Bewegung Insulinsensitivität und Gewichtsverlust günstig beeinflusst.

6. Vitamin E – Abbau in konservierten Foragen und muskuläre Folgen

Frisches Weidegras ist reich an Vitamin E (Alpha-Tocopherol) – doch bei der Konservierung zu Heu geht ein Großteil davon verloren, und der Gehalt nimmt über die Lagerung weiter ab (Möller et al. 2007). Pferde ohne Weidegang über den Winter sind deshalb besonders gefährdet. Hinzu kommt: Bei intensiver Arbeit steigt der Vitamin-E-Bedarf gegenüber der Erhaltung um rund +100 % (NRC 2007, GfE 2014) – Leistungspferde im Winter treffen also auf zwei Effekte gleichzeitig. Ein anhaltender Vitamin-E-Mangel bleibt lange unbemerkt, kann aber zu histopathologisch nachweisbaren Muskelveränderungen führen – bis hin zu Vitamin-E-responsiven Myopathien (Bookbinder et al. 2019).

  • Möller J, Müller CE, Udén P, Jensen SK (2007). Tocopherol and carotenoid levels in baled silage and haylage in relation to horse requirements. Animal Feed Science and Technology 137:182–197. doi:10.1016/j.anifeedsci.2006.10.007. Grundlage für die Aussage, dass Alpha-Tocopherol in konservierten Foragen stark von Ernte- und Konservationsbedingungen abhängt und über die Lagerung abnimmt.
  • Bookbinder LC, Burns E, Peterson A, et al. (2019). Impact of alpha-tocopherol deficiency and supplementation on sacrocaudalis and gluteal muscle fiber histopathology and morphology in horses. Journal of Veterinary Internal Medicine 33(6):2770–2779. doi:10.1111/jvim.15643. Histopathologische Befunde bei subklinisch Alpha-Tocopherol-defizienten Pferden und bei Vitamin-E-responsiver Myopathie – Beleg für die klinische Relevanz einer Vitamin-E-Unterversorgung, unter anderem im Zusammenhang mit der equinen motor neuron disease.

Referenzwerke im Überblick

Diese Standardwerke bilden das Fundament jeder Rationsberechnung. Sie definieren die Bedarfswerte und die Analysemethoden, auf die sich alle oben genannten Studien beziehen.

  • National Research Council (2007). Nutrient Requirements of Horses. National Academies Press.
  • Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (2014). Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Pferden. DLG-Verlag.
  • Meyer H, Coenen M (2014). Pferdefütterung. 5. Auflage. Enke Verlag, Stuttgart. Deutschsprachiges Standardlehrbuch – Grundlage vieler Praxis-Richtwerte.
  • Merck Veterinary Manual / MSD Veterinary Manual. Das internationale Standard-Nachschlagewerk der Veterinärmedizin. Frei verfügbar: msdvetmanual.com
  • VDLUFA – Verband Deutscher Landwirtschaftlicher Untersuchungs- und Forschungsanstalten. Methodenbuch für die Futtermittelanalytik. Der VDLUFA-Schlüssel ist das genormte Verfahrensverzeichnis, nach dem Labore Futtermittel untersuchen – von der Weender-Analyse (dem klassischen Verfahren zur Bestimmung der Rohnährstoffe wie Rohprotein, Rohfaser und Rohfett) bis zur Van-Soest-Detergenzienanalyse (die die Faserfraktionen NDF und ADF genauer aufschlüsselt).

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Dieses Quellenverzeichnis ist die wissenschaftliche Grundlage zum Pferde CAMPUS-Video „Rationsberechnung einfach erklärt“ von balance4animals – eine nach Themen geordnete Sammlung peer-reviewter... mehr erfahren »
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Dieses Quellenverzeichnis ist die wissenschaftliche Grundlage zum Pferde CAMPUS-Video „Rationsberechnung einfach erklärt“ von balance4animals – eine nach Themen geordnete Sammlung peer-reviewter Studien und veterinärmedizinischer Referenzwerke für Pferdefreunde, die nachvollziehen möchten, worauf jede Aussage im Video beruht. Eine Rationsberechnung ist der rechnerische Abgleich zwischen dem, was dein Pferd tatsächlich frisst, und dem, was es nach anerkannten Bedarfswerten braucht. Alle Aussagen im Video sind hier belegt.

Autorin: Sabine Stamm, Mitgründerin von balance4animals. Über 15 Jahre Erfahrung, spezialisiert auf individuelle und artgerechte Pferdeernährung.

1. Grundlagen der Rationsberechnung – Referenzsysteme

Jede seriöse Rationsberechnung stützt sich auf anerkannte Bedarfswerte. Zwei Referenzsysteme bilden weltweit die Grundlage: das US-amerikanische NRC (2007) und die deutschsprachige GfE (2014). Beide leiten den Bedarf aus dem metabolischen Körpergewicht ab – also nicht direkt aus dem Gewicht, sondern aus dem Körpergewicht hoch 0,75 (KG hoch 0,75), weil der Stoffwechsel nicht linear mit der Masse steigt. Die GfE rechnet mit umsetzbarer Energie (ME) und präzäkal verdaulichem Protein – dem Proteinanteil, der bereits im Dünndarm (vor dem Blinddarm) verdaut und aufgenommen wird. Praxis-Richtwerte, etwa zu Grenzwerten der Fütterung, stammen zusätzlich aus dem deutschsprachigen Standardlehrbuch von Meyer & Coenen (2014).

  • National Research Council (2007). Nutrient Requirements of Horses. 6. überarbeitete Auflage. National Academies Press, Washington DC. Standardwerk der Pferdeernährung im angloamerikanischen Raum. Grundlage aller Bedarfsempfehlungen zu Energie, Protein, Aminosäuren, Mengen- und Spurenelementen sowie Vitaminen.
  • Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (2014). Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Pferden. DLG-Verlag, Frankfurt am Main. Deutschsprachige Bedarfsempfehlung, Basis der meisten europäischen Rationsberechnungen. Arbeitet mit umsetzbarer Energie (ME) und präzäkal verdaulichem Protein.
  • Meyer H, Coenen M (2014). Pferdefütterung. 5. Auflage. Enke Verlag, Stuttgart. Deutschsprachiges Standardlehrbuch der Pferdefütterung – Grundlage vieler in der Praxis gebräuchlicher Richtwerte, unter anderem des tolerierbaren Calcium-Phosphor-Rahmens und der Stärkeobergrenze pro Mahlzeit.
  • Kienzle E, Zeyner A (2010). The development of a metabolizable energy system for horses. Journal of Animal Physiology and Animal Nutrition 94(6):e231–e240. doi:10.1111/j.1439-0396.2010.01015.x. Wissenschaftliche Begründung der Umstellung vom DE- auf das ME-System bei Pferden.
  • Liburt NR (2026). Nutritional Requirements of Horses and Other Equids. Merck Veterinary Manual (Professional Version). Klinisch orientierte Zusammenfassung der NRC- und GfE-Empfehlungen für die tierärztliche Praxis. Frei verfügbar: msdvetmanual.com

2. Streuung der Heuqualität und Spurenelement-Versorgung

Heu ist kein standardisiertes Futter. Sein Mineralstoffgehalt schwankt erheblich – je nach Standort, Schnittzeitpunkt und Pflanzenzusammensetzung. Genau deshalb ist eine Heuanalyse (die laborchemische Untersuchung einer Heuprobe) die Basis jeder belastbaren Rationsberechnung. Eine bayerische Feldstudie fand, dass 57 % der Pferde die empfohlene Zinkmenge und 75 % die empfohlene Selenmenge nicht erreichten. Der Zinkbedarf eines 500-kg-Pferdes liegt bei etwa 425 mg pro Tag (NRC 2007); als Zielwert im Gesamtfutter gelten rund 30–40 mg Zink pro kg Futter-TS (GfE 2014). Viele hofeigene Heue liefern jedoch nur 13–16 mg Zink pro kg Trockensubstanz (Zakova et al. 2016), sodass rechnerisch eine Lücke bleibt. Beim Selen zeigt sich dasselbe Muster: Auf hofeigenem Raufutter wurden Gehalte um 0,025 mg Selen pro kg TS gemessen (Zakova et al. 2016) – ein Bereich, der als Mangel gilt.

  • Wichert B, Frank T, Kienzle E (2002). Zinc, Copper and Selenium Intake and Status of Horses in Bavaria. Journal of Nutrition 132(6 Suppl 2):1776S–1777S. doi:10.1093/jn/132.6.1776S. Bayerische Feldstudie mit dem zentralen Befund, dass 57 % der Pferde die empfohlenen Zink-Mengen und 75 % die empfohlenen Selen-Mengen nicht erreichten.
  • Kienzle E, Möllmann F, Feige K, et al. (2008). Mineral content of hay harvested in Bavarian and Swiss horse farms. Journal of Animal Physiology and Animal Nutrition 92(6):712–717. doi:10.1111/j.1439-0396.2007.00769.x. Grundlagenarbeit zur Streuung der Mineralstoffgehalte in mitteleuropäischem Heu – je nach Standort, Schnittzeitpunkt und botanischer Zusammensetzung.
  • Schlegel P, Wyss U, Arrigo Y, Hess HD (2016). Mineral concentrations of fresh herbage from mixed grassland as influenced by botanical composition, harvest time and growth stage. Animal Feed Science and Technology 219:226–238. doi:10.1016/j.anifeedsci.2016.06.022. 236 Grünlandproben – bestätigt, dass Erntezeitpunkt und Wachstumsstadium die Mineralstoffgehalte erheblich beeinflussen; Kobalt und Selen liegen häufig an der Nachweisgrenze.
  • Zakova N, Szakova J, Tremlova J, Najmanova J, Tlustos P (2016). The soil-plant-feed transport of selenium and other essential micronutrients in diet of sport and recreational horses at two different locations. Journal of Animal and Feed Sciences 25:317–325. doi:10.22358/jafs/67805/2016. Feldstudie mit Zink-Gehalten im Heu von 13,8–16,1 mg/kg Trockensubstanz und Selen-Gehalten von 0,021–0,028 mg/kg – deutliches Defizit auf hofeigenem Raufutter.

3. Calcium-Phosphor-Verhältnis und Knochenstoffwechsel

Bei Calcium und Phosphor kommt es nicht nur auf die Menge an, sondern auf das Verhältnis zueinander. Als tolerierbarer Rahmen gilt ein Verhältnis von 1:1 bis 3:1 (Calcium zu Phosphor); Phosphor sollte dabei nie überwiegen (Meyer & Coenen 2014). In der Praxis strebt man einen engeren Zielkorridor von 1,5:1 bis 2:1 an. Kippt das Verhältnis dauerhaft zugunsten des Phosphors, entzieht der Körper den Knochen Calcium – im Extremfall entsteht die als „Big Head“ bekannte Auftreibung der Kopfknochen (sekundärer nutritiver Hyperparathyreoidismus; Toribio 2011).

  • Toribio RE (2011). Disorders of calcium and phosphate metabolism in horses. Veterinary Clinics of North America: Equine Practice 27(1):129–147. doi:10.1016/j.cveq.2010.12.004. Umfassende Übersicht zu Calcium- und Phosphorstoffwechsel beim Pferd, inklusive der Folgen unausgeglichener Ca:P-Verhältnisse (Big Head, sekundärer nutritiver Hyperparathyreoidismus).
  • Meyer H, Coenen M (2014). Pferdefütterung. 5. Auflage. Enke Verlag, Stuttgart. Nennt den in der Praxis tolerierbaren Rahmen für das Calcium-Phosphor-Verhältnis von 1:1 bis 3:1 (Phosphor soll nie überwiegen); als engerer Zielkorridor gelten 1,5:1 bis 2:1.

4. Nichtstruktur-Kohlenhydrate, Hyperinsulinämie und Laminitis

4. Nichtstruktur-Kohlenhydrate (NSC) – Zucker, Stärke und Fruktane – sind der kritischste Hebel in der Fütterung stoffwechselempfindlicher Pferde. Als Faustregel sollte die Stärkezufuhr 1 g Stärke pro kg Körpermasse und Mahlzeit nicht überschreiten (Meyer & Coenen 2014); darüber wird die präzäkale (dünndarmseitige) Stärkeverdauung überfordert, unverdaute Stärke gelangt in den Dickdarm und der Insulinspiegel steigt stark an. Diese dauerhaft überhöhte Insulinantwort – die Hyperinsulinämie – gilt als zentraler Auslöser der endokrinopathischen Hufrehe (Laminitis). In einer kontrollierten Diätstudie entwickelten 14 von 37 Ponys unter hoher NSC-Zufuhr eine klinische Laminitis.

  • Meier AD, de Laat MA, Reiche DB, Pollitt CC, Walsh DM, McGree JM, Sillence MN (2018). The oral glucose test predicts laminitis risk in ponies fed a diet high in nonstructural carbohydrates. Domestic Animal Endocrinology 63:1–9. doi:10.1016/j.domaniend.2017.10.008. Experimentelle Diätbelastung mit hoher NSC-Zufuhr – 14 von 37 Ponys entwickelten klinische Laminitis. Zentraler Beleg für die Kausalkette hohe NSC-Zufuhr zu Hyperinsulinämie zu endokrinopathische Hufrehe bei prädisponierten Tieren.
  • Meyer H, Coenen M (2014). Pferdefütterung. 5. Auflage. Enke Verlag, Stuttgart. Praxis-Richtwert zur Begrenzung der Stärkezufuhr: nicht mehr als etwa 1 g Stärke/kg Körpermasse und Mahlzeit, um eine Überforderung der präzäkalen Stärkeverdauung zu vermeiden.

5. Übergewicht, Body Condition Score und strukturierte Rationsanpassung

Übergewicht ist beim Pferd weit verbreitet: In einer kanadischen Praxispopulation waren 20,3 % der Pferde überkonditioniert und 8,3 % bereits adipös. Der erste Schritt ist immer die Einschätzung – der Body Condition Score (BCS), eine standardisierte Bewertung des Ernährungszustands durch Ansehen und Abtasten definierter Körperstellen, ganz ohne Waage. Eine Rationsanpassung wirkt am besten, wenn sie strukturiert erfolgt: Die Ration wird kontrolliert und schrittweise reduziert und der Erfolg regelmäßig überprüft, statt das Futter abrupt zu streichen.

  • Robinson KA et al. (2017). Prevalence of obesity in the equine population of Saskatoon and surrounding area. Canadian Veterinary Journal 58(9):967–973. PMID:28878421. Praxispopulation mit 20,3 % überkonditionierten und 8,3 % adipösen Pferden – repräsentativer Blick auf das Ausmaß des Problems.
  • Dugdale AHA, Curtis GC, Cripps P, Harris PA, Argo CMcG (2010). Effect of dietary restriction on body condition, composition and welfare of overweight and obese pony mares. Equine Veterinary Journal 42(7):600–610. doi:10.1111/j.2042-3306.2010.00110.x. Kontrollierte Rationsrestriktion über zwölf Wochen bei übergewichtigen Ponystuten – belegt die Wirksamkeit strukturierter Rationsanpassung und die Grenzen grober BCS-Schätzungen.
  • Bamford NJ, Potter SJ, Baskerville CL, Harris PA, Bailey SR (2019). Influence of dietary restriction and low-intensity exercise on weight loss and insulin sensitivity in obese equids. Journal of Veterinary Internal Medicine 33(1):280–286. doi:10.1111/jvim.15363. Randomisierte Studie mit 24 adipösen Pferden und Ponys – zeigt, dass Diät plus Bewegung Insulinsensitivität und Gewichtsverlust günstig beeinflusst.

6. Vitamin E – Abbau in konservierten Foragen und muskuläre Folgen

Frisches Weidegras ist reich an Vitamin E (Alpha-Tocopherol) – doch bei der Konservierung zu Heu geht ein Großteil davon verloren, und der Gehalt nimmt über die Lagerung weiter ab (Möller et al. 2007). Pferde ohne Weidegang über den Winter sind deshalb besonders gefährdet. Hinzu kommt: Bei intensiver Arbeit steigt der Vitamin-E-Bedarf gegenüber der Erhaltung um rund +100 % (NRC 2007, GfE 2014) – Leistungspferde im Winter treffen also auf zwei Effekte gleichzeitig. Ein anhaltender Vitamin-E-Mangel bleibt lange unbemerkt, kann aber zu histopathologisch nachweisbaren Muskelveränderungen führen – bis hin zu Vitamin-E-responsiven Myopathien (Bookbinder et al. 2019).

  • Möller J, Müller CE, Udén P, Jensen SK (2007). Tocopherol and carotenoid levels in baled silage and haylage in relation to horse requirements. Animal Feed Science and Technology 137:182–197. doi:10.1016/j.anifeedsci.2006.10.007. Grundlage für die Aussage, dass Alpha-Tocopherol in konservierten Foragen stark von Ernte- und Konservationsbedingungen abhängt und über die Lagerung abnimmt.
  • Bookbinder LC, Burns E, Peterson A, et al. (2019). Impact of alpha-tocopherol deficiency and supplementation on sacrocaudalis and gluteal muscle fiber histopathology and morphology in horses. Journal of Veterinary Internal Medicine 33(6):2770–2779. doi:10.1111/jvim.15643. Histopathologische Befunde bei subklinisch Alpha-Tocopherol-defizienten Pferden und bei Vitamin-E-responsiver Myopathie – Beleg für die klinische Relevanz einer Vitamin-E-Unterversorgung, unter anderem im Zusammenhang mit der equinen motor neuron disease.

Referenzwerke im Überblick

Diese Standardwerke bilden das Fundament jeder Rationsberechnung. Sie definieren die Bedarfswerte und die Analysemethoden, auf die sich alle oben genannten Studien beziehen.

  • National Research Council (2007). Nutrient Requirements of Horses. National Academies Press.
  • Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (2014). Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Pferden. DLG-Verlag.
  • Meyer H, Coenen M (2014). Pferdefütterung. 5. Auflage. Enke Verlag, Stuttgart. Deutschsprachiges Standardlehrbuch – Grundlage vieler Praxis-Richtwerte.
  • Merck Veterinary Manual / MSD Veterinary Manual. Das internationale Standard-Nachschlagewerk der Veterinärmedizin. Frei verfügbar: msdvetmanual.com
  • VDLUFA – Verband Deutscher Landwirtschaftlicher Untersuchungs- und Forschungsanstalten. Methodenbuch für die Futtermittelanalytik. Der VDLUFA-Schlüssel ist das genormte Verfahrensverzeichnis, nach dem Labore Futtermittel untersuchen – von der Weender-Analyse (dem klassischen Verfahren zur Bestimmung der Rohnährstoffe wie Rohprotein, Rohfaser und Rohfett) bis zur Van-Soest-Detergenzienanalyse (die die Faserfraktionen NDF und ADF genauer aufschlüsselt).

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