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Dieses Quellenverzeichnis ist die wissenschaftliche Grundlage zum Pferde CAMPUS-Video „OPC und Algenöl – das Antioxidans-Team der Zellmembran“ von balance4animals – eine nach Themen geordnete Sammlung peer-reviewter Studien, veterinärmedizinischer Fachbücher und Referenzwerke für Pferdefreunde, die verstehen wollen, warum die Kombination aus marinen Omega-3-Fettsäuren und Polyphenolen aus Traubenkernen an der Zellmembran biochemisch zusammengehört, wo die Beleglage am Pferd wirklich steht und welche Aussagen sich auf säugetierübergreifende Mechanismen stützen. Alle Aussagen im Video sind hier belegt. Studien an anderen Spezies als dem Pferd sind ausdrücklich mit ⚠ markiert.

Autorin: Sabine Stamm, Mitgründerin von balance4animals. Über 15 Jahre Erfahrung, spezialisiert auf orthomolekulare Zusatzfütterung und individuelle Futterberatung für Pferde in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz.

1. Die Zellmembran als Türsteher – EPA und DHA und ihre Empfindlichkeit

Jede Zellmembran ist die aktive Grenzfläche, an der Nährstoffe rein- und Abfallstoffe rausgehen. EPA und DHA werden in die Membran eingebaut und halten sie geschmeidig. Genau ihre vielen Doppelbindungen (EPA 5, DHA 6) machen sie jedoch anfällig für Lipidperoxidation durch freie Radikale.

  • ⚠ Alberts B, Johnson A, Lewis J et al. (2015). Molecular Biology of the Cell. 6th Edition. Garland Science. Kapitel „Membrane Structure“: Aufbau der Lipiddoppelschicht, Rolle mehrfach ungesättigter Fettsäuren für die Membranfluidität. Standardwerk der Zellbiologie, nicht speziesspezifisch.
  • ⚠ Halliwell B, Gutteridge JMC (2015). Free Radicals in Biology and Medicine. 5th Edition. Oxford University Press. Kapitel Lipidperoxidation: mechanistische Grundlage der Radikalkettenreaktion an Membranfettsäuren; säugetierübergreifende Referenz.
  • Remillard RL et al. (in Geor RJ, Harris PA, Coenen M, Hrsg., 2013). Equine Applied and Clinical Nutrition. Saunders Elsevier. Kapitel zu Lipiden und Fettsäuren beim Pferd: Einbau in Membranen, Bedeutung mariner Quellen.

2. Das Antioxidans-Team – Vitamin E, Vitamin C und Polyphenole im Redox-Netzwerk

Vitamin E sitzt als fettlösliches Antioxidans in der Membran und fängt Lipidradikale ab. Nach Radikalabfang liegt es als Tocopheroxyl-Radikal vor und muss regeneriert werden. Vitamin C aus dem wässrigen Milieu ist der klassische Regenerationspartner. Polyphenole können an derselben Kette mithelfen – belegt im Säugetiermodell mit Monomeren wie Catechin und Epicatechin.

  • ⚠ Buettner GR (1993). The pecking order of free radicals and antioxidants: lipid peroxidation, α-tocopherol, and ascorbate. Archives of Biochemistry and Biophysics 300(2):535–543. DOI: 10.1006/abbi.1993.1074. Klassische Referenz zum Redox-Netzwerk und zur Regeneration des Tocopheroxyl-Radikals durch Ascorbat.
  • ⚠ Frank J (2007). Einfluss von Nahrungspolyphenolen auf den Vitamin-E-Status. Ernährungs-Umschau 54(2):52–59. Institut für Humanernährung, Christian-Albrechts-Universität Kiel. Kern-Referenz zum Polyphenol-Vitamin-E-Recycling. Untersucht wurden (+)-Catechin, (–)-Epicatechin, Quercetin, Sesamin und weitere Monomere an Ratten, Leberzellen und Menschen. Wichtige Einordnung: Untersucht wurden Monomere, nicht OPC (oligomere Proanthocyanidine). Die Bausteine der OPC (Catechin, Epicatechin) sind enthalten, die oligomere Form selbst wurde in dieser Arbeit nicht geprüft.
  • ⚠ Traber MG, Stevens JF (2011). Vitamins C and E: Beneficial effects from a mechanistic perspective. Free Radical Biology and Medicine 51(5):1000–1013. DOI: 10.1016/j.freeradbiomed.2011.05.017. Human-/säugetiermechanistische Referenz zum Zusammenspiel von Vitamin E und Vitamin C.

3. Vitamin-C-Eigensynthese des Pferdes und die Rolle der Leber

Anders als der Mensch stellt das Pferd sein Vitamin C selbst her – in der Leber, aus Glukose, über das Enzym L-Gulonolacton-Oxidase. Der biochemische Weg ist bei Säugetieren gut untersucht. Ob eine chronische Leberbelastung die Vitamin-C-Eigensynthese beim Pferd messbar senkt, ist in der wissenschaftlichen Literatur bisher nicht direkt am Pferd belegt. Der Mechanismus stützt sich auf Ratten- und Mausdaten.

  • Alawad A, Kolb E, Leo M et al. (1994). Gehalt an Ascorbinsäure in 13 Geweben und Aktivität der L-Gulonolacton-Oxidase in der Leber von Pferden. Praktischer Tierarzt 75:40–47. Direkter equiner Beleg für die hepatische Vitamin-C-Eigensynthese und die Gewebeverteilung von Ascorbat beim Pferd.
  • Pearson PB et al. (1943) und Stillions MC et al. (1971), zit. in Geor RJ, Harris PA, Coenen M (Hrsg., 2013). Equine Applied and Clinical Nutrition. Anker-Studien zur equinen Vitamin-C-Synthese: „Like most other mammals, equines are able to synthesize vitamin C in the liver from glucose.“
  • ⚠ Chatterjee IB (1973). Evolution and the biosynthesis of ascorbic acid. Science 182(4118):1271–1272. Grundlagenreferenz zum GULO-Enzym und zur Speziesverteilung endogener Ascorbat-Synthese.
  • Ehrlichkeits-Klammer: In der publizierten Pferdeliteratur existiert bisher keine kontrollierte Studie, die den Plasma-Ascorbatspiegel bei Pferden unter definierter chronischer subklinischer Leberbelastung gemessen hat. Die im Video beschriebene Kausalkette „chronische Leberbelastung → sinkende Vitamin-C-Eigensynthese“ ist am Säugetiermodell plausibel, am Pferd nicht direkt belegt. Sie wird im Video daher konjunktivisch formuliert.

4. Belastungen der Pferdeleber im Alltag – Mykotoxine im Heu

Mykotoxine wie Deoxynivalenol (DON) und Zearalenon (ZEA) treten in europäischen Heuproben häufig auf – meist weit unter den Grenzwerten für akute Vergiftungen, aber als tägliche Metabolisierungslast für die Leber. Standard-Leberwerte wie AST oder ALT zeigen eine solche Belastung erst spät.

  • ⚠ EFSA Panel on Contaminants in the Food Chain (2013). Deoxynivalenol in food and feed: occurrence and exposure. EFSA Journal 11(10):3379. Europäische Erhebung: DON in 75–90 % der untersuchten Heu- und Rauhfutterproben nachweisbar.
  • ⚠ EFSA Panel on Contaminants in the Food Chain (2011). Scientific Opinion on the risks for animal and public health related to the presence of zearalenone in food and feed. EFSA Journal 9(6):2197. Europäische Erhebung: ZEA in bis zu 98 % der untersuchten Heuproben nachweisbar.
  • Coenen M, Vervuert I (2020). Pferdefütterung (6. Auflage). Enke Verlag. Kap. 10.8 „Krankheiten der Leber“: Beschreibung der hepatischen Metabolisierung im Alltag; Sensitivität der Standard-Leberenzyme.
  • Geor RJ, Harris PA, Coenen M (Hrsg., 2013). Equine Applied and Clinical Nutrition. Saunders Elsevier. Angaben zu Zearalenon-Metabolismus beim Pferd: schnelle Konjugation und renale Ausscheidung senken die akute Toxizität, chronische subklinische Belastung ist damit nicht ausgeschlossen.

5. Vitamin E im Heu – Lagerungsverluste und Versorgungslücken

Vitamin E ist im Heu stark lagerungsempfindlich. Zwischen Schnitt und Winterfütterung gehen erhebliche Anteile des ursprünglichen Gehalts verloren. In Erhebungen liegt ein großer Teil der Heue unter den empfohlenen Konzentrationen. Beim Umstieg von Weide auf Heu sinkt der Plasma-Vitamin-E-Spiegel innerhalb weniger Wochen ab.

  • Remillard RL et al. (in Geor RJ, Harris PA, Coenen M, Hrsg., 2013). Equine Applied and Clinical Nutrition. Saunders Elsevier. Kapitel Vitamin E, wörtliches Zitat: „From 30 to 80 % of vitamin E activity is lost between cutting to baling hay and another 54–73 % loss occurs in alfalfa hay stored at 97 °F (33 °C) for 12 weeks.“ Direkter Beleg für die 30–80-%-Angabe im Video.
  • ⚠ Remillard RL et al. (2013), zit. Referenz [58]: „A survey of 40 hays from various states showed that over 50 % had a vitamin E content of less than 50 IU/kg DM, while 15 % had over 80 IU/kg DM.“ US-Erhebung an 40 Heuen aus verschiedenen US-Bundesstaaten – explizit nicht auf deutsche oder europäische Heue übertragbar, im Video als „amerikanische Erhebung“ gekennzeichnet.
  • Coenen M, Vervuert I (2020). Pferdefütterung. Kapitel Vitamin E: „Vitamin-E-Mangel häufig im Winter bei Fütterung von überlagertem Heu ohne weitere Ergänzungen.“ Deutsches Standardwerk.
  • Craig AM, Pearson EG et al. Plasma-Vitamin-E-Konzentrationen bei Pferden im Übergang von Weide zu Heubasierter Fütterung. Dokumentiert die zweiphasige Kinetik: signifikanter Abfall des Plasma-α-Tocopherols innerhalb von 2 bis 4 Wochen nach Weidegras-Entzug; Pufferung über Gewebespeicher (Leber, adipoeses Gewebe) für 1–3 Monate.
  • National Research Council (2007). Nutrient Requirements of Horses. 6th Revised Edition. National Academies Press. Referenzwerte zum Vitamin-E-Bedarf beim Pferd.

6. OPC aus Traubenkernen – was am Säugetier belegt ist, was am Pferd fehlt

Direkte equine Interventionsstudien zu OPC, oligomeren Proanthocyanidinen, Traubenkernextrakt oder Traubenkerngranulat sind in der publizierten Pferdeliteratur und im b4a-Fachbestand nicht auffindbar. Die drei zentralen Pferdefütterungs-Standardwerke (Coenen/Vervuert 2020, Geor/Harris/Coenen 2013, Remillard 2013) führen OPC weder als Futtermittel noch als Ergänzung noch mit Dosierungsangabe. Die biochemische Anschlussfähigkeit an das Vitamin-E-Recycling ergibt sich aus Säugetierdaten mit den Monomeren Catechin und Epicatechin – den Bausteinen der OPC.

  • ⚠ Frank J (2007). Siehe Sektion 2 – einzige belastbare Referenz im b4a-Bestand für Polyphenol-Vitamin-E-Recycling. Untersucht Monomere, nicht OPC. Modelle: Ratte, Leberzelle in vitro, Mensch. Kein Pferd.
  • ⚠ Bagchi D, Bagchi M, Stohs SJ et al. (2000). Free radicals and grape seed proanthocyanidin extract: importance in human health and disease prevention. Toxicology 148(2–3):187–197. Humanmedizinische Übersichtsreferenz zur antioxidativen Wirkung von Traubenkernextrakt – nicht am Pferd.
  • b4a-Fachbibliothek-Auswertung (intern, 2026): Volltextsuche über die drei Pferdefütterungs-Standardwerke B1 (Coenen/Vervuert 2020), B3 (Geor/Harris/Coenen 2013), B4 (Remillard 2013) mit den Suchbegriffen OPC, Proanthocyanidin, Traubenkern und grape seed – null Fundstellen. Die drei Fachbücher nennen als Regenerationspartner von Vitamin E ausschließlich Vitamin C, Glutathion und α-Liponsäure, nicht Polyphenole. Die im Video beschriebene Polyphenol-Anschlussstelle ist damit ehrlich als Säugetiermechanismus gekennzeichnet, nicht als equiner Wirknachweis.

7. Praktische Fütterung – Algenöl und Traubenkerngranulat als Kombi

Die praktische Fütterungsempfehlung im Video stützt sich für Algenöl auf die publizierte Studienlage zum EPA/DHA-Einbau beim Pferd. Die Dosierung des Traubenkerngranulats (30–50 g) ist ein b4a-Erfahrungswert und keine Literaturdosis. Die Airless-Bag-Verpackung ist eine b4a-Praxisentscheidung auf Basis der bekannten Oxidationsempfindlichkeit mehrfach ungesättigter Fettsäuren.

  • Nogradi N et al. (2015). Omega-3 fatty acid supplementation provides an additional benefit to a low-dust diet in the management of horses with chronic lower airway inflammatory disease. Journal of Veterinary Internal Medicine 29(1):299–306. DOI: 10.1111/jvim.12488. Grundlage der 7,5-ml-Dosisangabe für ein 500-kg-Pferd (Umrechnung aus 1,5–3 g DHA/Tag).
  • Brennan KM et al. (2015). DHA supplementation from algal oil in horses. Journal of Equine Veterinary Science 35(9):733–740. Direkter equiner Beleg für den Anstieg von DHA in Plasma und Erythrozytenmembranen nach Algenöl-Supplementierung.
  • Pagan JD et al. (2022). Long-chain omega-3 polyunsaturated fatty acids from marine sources influence the fatty acid composition of equine tissue. Journal of Equine Veterinary Science 110:103862. Dokumentiert den Gewebe-Einbau von EPA und DHA beim Pferd.
  • Hess TM, Ross-Jones TN (2014). Omega-3 fatty acid supplementation in horses. Revista Brasileira de Zootecnia 43(12):677–683. Übersichtsarbeit zu EPA/DHA-Blutwerten beim Pferd unter verschiedenen Ölquellen.
  • ⚠ Halliwell B, Gutteridge JMC (2015). Free Radicals in Biology and Medicine. Kapitel Oxidative Stabilität mehrfach ungesättigter Fettsäuren: begründet die Airless-Bag-Entscheidung als Schutz vor Sauerstoffnachtrag beim Umgang mit EPA/DHA-reichen Ölen.
  • Traubenkerngranulat 30–50 g/Tag: b4a-Erfahrungswert, in der publizierten Literatur für das Pferd bisher nicht untersucht. Die Angabe ergibt sich aus der langjährigen Beratungspraxis von balance4animals und ist ausdrücklich keine Literaturdosis.

Referenzwerke im Überblick

  • Coenen M, Vervuert I (2020). Pferdefütterung. 6. Auflage. Enke Verlag. Deutsches Standardwerk der Pferdefütterung.
  • Geor RJ, Harris PA, Coenen M (Hrsg., 2013). Equine Applied and Clinical Nutrition. Saunders Elsevier. Englisches Fachbuch für angewandte und klinische Pferdefütterung.
  • Remillard RL et al. in Geor et al. (2013). Kapitel zu Vitaminen und Antioxidanzien beim Pferd.
  • National Research Council (2007). Nutrient Requirements of Horses. 6th Revised Edition. National Academies Press. DOI: 10.17226/11653.
  • Frank J (2007). Einfluss von Nahrungspolyphenolen auf den Vitamin-E-Status. Ernährungs-Umschau 54(2):52–59. Kern-Referenz für das Polyphenol-Vitamin-E-Recycling im Säugetiermodell.
  • ⚠ Halliwell B, Gutteridge JMC (2015). Free Radicals in Biology and Medicine. 5th Edition. Oxford University Press. Standardwerk zur oxidativen Biochemie.
  • Merck / MSD Veterinary Manual. Frei verfügbar: msdvetmanual.com. Anerkanntes veterinärmedizinisches Referenzwerk.

 

Dieses Quellenverzeichnis ist die wissenschaftliche Grundlage zum Pferde CAMPUS-Video „OPC und Algenöl – das Antioxidans-Team der Zellmembran“ von balance4animals – eine nach Themen geordnete... mehr erfahren »
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Dieses Quellenverzeichnis ist die wissenschaftliche Grundlage zum Pferde CAMPUS-Video „OPC und Algenöl – das Antioxidans-Team der Zellmembran“ von balance4animals – eine nach Themen geordnete Sammlung peer-reviewter Studien, veterinärmedizinischer Fachbücher und Referenzwerke für Pferdefreunde, die verstehen wollen, warum die Kombination aus marinen Omega-3-Fettsäuren und Polyphenolen aus Traubenkernen an der Zellmembran biochemisch zusammengehört, wo die Beleglage am Pferd wirklich steht und welche Aussagen sich auf säugetierübergreifende Mechanismen stützen. Alle Aussagen im Video sind hier belegt. Studien an anderen Spezies als dem Pferd sind ausdrücklich mit ⚠ markiert.

Autorin: Sabine Stamm, Mitgründerin von balance4animals. Über 15 Jahre Erfahrung, spezialisiert auf orthomolekulare Zusatzfütterung und individuelle Futterberatung für Pferde in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz.

1. Die Zellmembran als Türsteher – EPA und DHA und ihre Empfindlichkeit

Jede Zellmembran ist die aktive Grenzfläche, an der Nährstoffe rein- und Abfallstoffe rausgehen. EPA und DHA werden in die Membran eingebaut und halten sie geschmeidig. Genau ihre vielen Doppelbindungen (EPA 5, DHA 6) machen sie jedoch anfällig für Lipidperoxidation durch freie Radikale.

  • ⚠ Alberts B, Johnson A, Lewis J et al. (2015). Molecular Biology of the Cell. 6th Edition. Garland Science. Kapitel „Membrane Structure“: Aufbau der Lipiddoppelschicht, Rolle mehrfach ungesättigter Fettsäuren für die Membranfluidität. Standardwerk der Zellbiologie, nicht speziesspezifisch.
  • ⚠ Halliwell B, Gutteridge JMC (2015). Free Radicals in Biology and Medicine. 5th Edition. Oxford University Press. Kapitel Lipidperoxidation: mechanistische Grundlage der Radikalkettenreaktion an Membranfettsäuren; säugetierübergreifende Referenz.
  • Remillard RL et al. (in Geor RJ, Harris PA, Coenen M, Hrsg., 2013). Equine Applied and Clinical Nutrition. Saunders Elsevier. Kapitel zu Lipiden und Fettsäuren beim Pferd: Einbau in Membranen, Bedeutung mariner Quellen.

2. Das Antioxidans-Team – Vitamin E, Vitamin C und Polyphenole im Redox-Netzwerk

Vitamin E sitzt als fettlösliches Antioxidans in der Membran und fängt Lipidradikale ab. Nach Radikalabfang liegt es als Tocopheroxyl-Radikal vor und muss regeneriert werden. Vitamin C aus dem wässrigen Milieu ist der klassische Regenerationspartner. Polyphenole können an derselben Kette mithelfen – belegt im Säugetiermodell mit Monomeren wie Catechin und Epicatechin.

  • ⚠ Buettner GR (1993). The pecking order of free radicals and antioxidants: lipid peroxidation, α-tocopherol, and ascorbate. Archives of Biochemistry and Biophysics 300(2):535–543. DOI: 10.1006/abbi.1993.1074. Klassische Referenz zum Redox-Netzwerk und zur Regeneration des Tocopheroxyl-Radikals durch Ascorbat.
  • ⚠ Frank J (2007). Einfluss von Nahrungspolyphenolen auf den Vitamin-E-Status. Ernährungs-Umschau 54(2):52–59. Institut für Humanernährung, Christian-Albrechts-Universität Kiel. Kern-Referenz zum Polyphenol-Vitamin-E-Recycling. Untersucht wurden (+)-Catechin, (–)-Epicatechin, Quercetin, Sesamin und weitere Monomere an Ratten, Leberzellen und Menschen. Wichtige Einordnung: Untersucht wurden Monomere, nicht OPC (oligomere Proanthocyanidine). Die Bausteine der OPC (Catechin, Epicatechin) sind enthalten, die oligomere Form selbst wurde in dieser Arbeit nicht geprüft.
  • ⚠ Traber MG, Stevens JF (2011). Vitamins C and E: Beneficial effects from a mechanistic perspective. Free Radical Biology and Medicine 51(5):1000–1013. DOI: 10.1016/j.freeradbiomed.2011.05.017. Human-/säugetiermechanistische Referenz zum Zusammenspiel von Vitamin E und Vitamin C.

3. Vitamin-C-Eigensynthese des Pferdes und die Rolle der Leber

Anders als der Mensch stellt das Pferd sein Vitamin C selbst her – in der Leber, aus Glukose, über das Enzym L-Gulonolacton-Oxidase. Der biochemische Weg ist bei Säugetieren gut untersucht. Ob eine chronische Leberbelastung die Vitamin-C-Eigensynthese beim Pferd messbar senkt, ist in der wissenschaftlichen Literatur bisher nicht direkt am Pferd belegt. Der Mechanismus stützt sich auf Ratten- und Mausdaten.

  • Alawad A, Kolb E, Leo M et al. (1994). Gehalt an Ascorbinsäure in 13 Geweben und Aktivität der L-Gulonolacton-Oxidase in der Leber von Pferden. Praktischer Tierarzt 75:40–47. Direkter equiner Beleg für die hepatische Vitamin-C-Eigensynthese und die Gewebeverteilung von Ascorbat beim Pferd.
  • Pearson PB et al. (1943) und Stillions MC et al. (1971), zit. in Geor RJ, Harris PA, Coenen M (Hrsg., 2013). Equine Applied and Clinical Nutrition. Anker-Studien zur equinen Vitamin-C-Synthese: „Like most other mammals, equines are able to synthesize vitamin C in the liver from glucose.“
  • ⚠ Chatterjee IB (1973). Evolution and the biosynthesis of ascorbic acid. Science 182(4118):1271–1272. Grundlagenreferenz zum GULO-Enzym und zur Speziesverteilung endogener Ascorbat-Synthese.
  • Ehrlichkeits-Klammer: In der publizierten Pferdeliteratur existiert bisher keine kontrollierte Studie, die den Plasma-Ascorbatspiegel bei Pferden unter definierter chronischer subklinischer Leberbelastung gemessen hat. Die im Video beschriebene Kausalkette „chronische Leberbelastung → sinkende Vitamin-C-Eigensynthese“ ist am Säugetiermodell plausibel, am Pferd nicht direkt belegt. Sie wird im Video daher konjunktivisch formuliert.

4. Belastungen der Pferdeleber im Alltag – Mykotoxine im Heu

Mykotoxine wie Deoxynivalenol (DON) und Zearalenon (ZEA) treten in europäischen Heuproben häufig auf – meist weit unter den Grenzwerten für akute Vergiftungen, aber als tägliche Metabolisierungslast für die Leber. Standard-Leberwerte wie AST oder ALT zeigen eine solche Belastung erst spät.

  • ⚠ EFSA Panel on Contaminants in the Food Chain (2013). Deoxynivalenol in food and feed: occurrence and exposure. EFSA Journal 11(10):3379. Europäische Erhebung: DON in 75–90 % der untersuchten Heu- und Rauhfutterproben nachweisbar.
  • ⚠ EFSA Panel on Contaminants in the Food Chain (2011). Scientific Opinion on the risks for animal and public health related to the presence of zearalenone in food and feed. EFSA Journal 9(6):2197. Europäische Erhebung: ZEA in bis zu 98 % der untersuchten Heuproben nachweisbar.
  • Coenen M, Vervuert I (2020). Pferdefütterung (6. Auflage). Enke Verlag. Kap. 10.8 „Krankheiten der Leber“: Beschreibung der hepatischen Metabolisierung im Alltag; Sensitivität der Standard-Leberenzyme.
  • Geor RJ, Harris PA, Coenen M (Hrsg., 2013). Equine Applied and Clinical Nutrition. Saunders Elsevier. Angaben zu Zearalenon-Metabolismus beim Pferd: schnelle Konjugation und renale Ausscheidung senken die akute Toxizität, chronische subklinische Belastung ist damit nicht ausgeschlossen.

5. Vitamin E im Heu – Lagerungsverluste und Versorgungslücken

Vitamin E ist im Heu stark lagerungsempfindlich. Zwischen Schnitt und Winterfütterung gehen erhebliche Anteile des ursprünglichen Gehalts verloren. In Erhebungen liegt ein großer Teil der Heue unter den empfohlenen Konzentrationen. Beim Umstieg von Weide auf Heu sinkt der Plasma-Vitamin-E-Spiegel innerhalb weniger Wochen ab.

  • Remillard RL et al. (in Geor RJ, Harris PA, Coenen M, Hrsg., 2013). Equine Applied and Clinical Nutrition. Saunders Elsevier. Kapitel Vitamin E, wörtliches Zitat: „From 30 to 80 % of vitamin E activity is lost between cutting to baling hay and another 54–73 % loss occurs in alfalfa hay stored at 97 °F (33 °C) for 12 weeks.“ Direkter Beleg für die 30–80-%-Angabe im Video.
  • ⚠ Remillard RL et al. (2013), zit. Referenz [58]: „A survey of 40 hays from various states showed that over 50 % had a vitamin E content of less than 50 IU/kg DM, while 15 % had over 80 IU/kg DM.“ US-Erhebung an 40 Heuen aus verschiedenen US-Bundesstaaten – explizit nicht auf deutsche oder europäische Heue übertragbar, im Video als „amerikanische Erhebung“ gekennzeichnet.
  • Coenen M, Vervuert I (2020). Pferdefütterung. Kapitel Vitamin E: „Vitamin-E-Mangel häufig im Winter bei Fütterung von überlagertem Heu ohne weitere Ergänzungen.“ Deutsches Standardwerk.
  • Craig AM, Pearson EG et al. Plasma-Vitamin-E-Konzentrationen bei Pferden im Übergang von Weide zu Heubasierter Fütterung. Dokumentiert die zweiphasige Kinetik: signifikanter Abfall des Plasma-α-Tocopherols innerhalb von 2 bis 4 Wochen nach Weidegras-Entzug; Pufferung über Gewebespeicher (Leber, adipoeses Gewebe) für 1–3 Monate.
  • National Research Council (2007). Nutrient Requirements of Horses. 6th Revised Edition. National Academies Press. Referenzwerte zum Vitamin-E-Bedarf beim Pferd.

6. OPC aus Traubenkernen – was am Säugetier belegt ist, was am Pferd fehlt

Direkte equine Interventionsstudien zu OPC, oligomeren Proanthocyanidinen, Traubenkernextrakt oder Traubenkerngranulat sind in der publizierten Pferdeliteratur und im b4a-Fachbestand nicht auffindbar. Die drei zentralen Pferdefütterungs-Standardwerke (Coenen/Vervuert 2020, Geor/Harris/Coenen 2013, Remillard 2013) führen OPC weder als Futtermittel noch als Ergänzung noch mit Dosierungsangabe. Die biochemische Anschlussfähigkeit an das Vitamin-E-Recycling ergibt sich aus Säugetierdaten mit den Monomeren Catechin und Epicatechin – den Bausteinen der OPC.

  • ⚠ Frank J (2007). Siehe Sektion 2 – einzige belastbare Referenz im b4a-Bestand für Polyphenol-Vitamin-E-Recycling. Untersucht Monomere, nicht OPC. Modelle: Ratte, Leberzelle in vitro, Mensch. Kein Pferd.
  • ⚠ Bagchi D, Bagchi M, Stohs SJ et al. (2000). Free radicals and grape seed proanthocyanidin extract: importance in human health and disease prevention. Toxicology 148(2–3):187–197. Humanmedizinische Übersichtsreferenz zur antioxidativen Wirkung von Traubenkernextrakt – nicht am Pferd.
  • b4a-Fachbibliothek-Auswertung (intern, 2026): Volltextsuche über die drei Pferdefütterungs-Standardwerke B1 (Coenen/Vervuert 2020), B3 (Geor/Harris/Coenen 2013), B4 (Remillard 2013) mit den Suchbegriffen OPC, Proanthocyanidin, Traubenkern und grape seed – null Fundstellen. Die drei Fachbücher nennen als Regenerationspartner von Vitamin E ausschließlich Vitamin C, Glutathion und α-Liponsäure, nicht Polyphenole. Die im Video beschriebene Polyphenol-Anschlussstelle ist damit ehrlich als Säugetiermechanismus gekennzeichnet, nicht als equiner Wirknachweis.

7. Praktische Fütterung – Algenöl und Traubenkerngranulat als Kombi

Die praktische Fütterungsempfehlung im Video stützt sich für Algenöl auf die publizierte Studienlage zum EPA/DHA-Einbau beim Pferd. Die Dosierung des Traubenkerngranulats (30–50 g) ist ein b4a-Erfahrungswert und keine Literaturdosis. Die Airless-Bag-Verpackung ist eine b4a-Praxisentscheidung auf Basis der bekannten Oxidationsempfindlichkeit mehrfach ungesättigter Fettsäuren.

  • Nogradi N et al. (2015). Omega-3 fatty acid supplementation provides an additional benefit to a low-dust diet in the management of horses with chronic lower airway inflammatory disease. Journal of Veterinary Internal Medicine 29(1):299–306. DOI: 10.1111/jvim.12488. Grundlage der 7,5-ml-Dosisangabe für ein 500-kg-Pferd (Umrechnung aus 1,5–3 g DHA/Tag).
  • Brennan KM et al. (2015). DHA supplementation from algal oil in horses. Journal of Equine Veterinary Science 35(9):733–740. Direkter equiner Beleg für den Anstieg von DHA in Plasma und Erythrozytenmembranen nach Algenöl-Supplementierung.
  • Pagan JD et al. (2022). Long-chain omega-3 polyunsaturated fatty acids from marine sources influence the fatty acid composition of equine tissue. Journal of Equine Veterinary Science 110:103862. Dokumentiert den Gewebe-Einbau von EPA und DHA beim Pferd.
  • Hess TM, Ross-Jones TN (2014). Omega-3 fatty acid supplementation in horses. Revista Brasileira de Zootecnia 43(12):677–683. Übersichtsarbeit zu EPA/DHA-Blutwerten beim Pferd unter verschiedenen Ölquellen.
  • ⚠ Halliwell B, Gutteridge JMC (2015). Free Radicals in Biology and Medicine. Kapitel Oxidative Stabilität mehrfach ungesättigter Fettsäuren: begründet die Airless-Bag-Entscheidung als Schutz vor Sauerstoffnachtrag beim Umgang mit EPA/DHA-reichen Ölen.
  • Traubenkerngranulat 30–50 g/Tag: b4a-Erfahrungswert, in der publizierten Literatur für das Pferd bisher nicht untersucht. Die Angabe ergibt sich aus der langjährigen Beratungspraxis von balance4animals und ist ausdrücklich keine Literaturdosis.

Referenzwerke im Überblick

  • Coenen M, Vervuert I (2020). Pferdefütterung. 6. Auflage. Enke Verlag. Deutsches Standardwerk der Pferdefütterung.
  • Geor RJ, Harris PA, Coenen M (Hrsg., 2013). Equine Applied and Clinical Nutrition. Saunders Elsevier. Englisches Fachbuch für angewandte und klinische Pferdefütterung.
  • Remillard RL et al. in Geor et al. (2013). Kapitel zu Vitaminen und Antioxidanzien beim Pferd.
  • National Research Council (2007). Nutrient Requirements of Horses. 6th Revised Edition. National Academies Press. DOI: 10.17226/11653.
  • Frank J (2007). Einfluss von Nahrungspolyphenolen auf den Vitamin-E-Status. Ernährungs-Umschau 54(2):52–59. Kern-Referenz für das Polyphenol-Vitamin-E-Recycling im Säugetiermodell.
  • ⚠ Halliwell B, Gutteridge JMC (2015). Free Radicals in Biology and Medicine. 5th Edition. Oxford University Press. Standardwerk zur oxidativen Biochemie.
  • Merck / MSD Veterinary Manual. Frei verfügbar: msdvetmanual.com. Anerkanntes veterinärmedizinisches Referenzwerk.

 

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