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Pferde CAMPUS · Wissen & Quellen

Das Lymphsystem des Pferdes ist ein feines Netz aus Gefäßen, Klappen, Lymphknoten und lymphatischen Organen, das Flüssigkeit und Stoffe aus dem Gewebe aufnimmt, in den Lymphknoten immunologisch prüft und zurück in den Blutkreislauf führt. Es hat keine eigene Pumpe wie das Herz und ist deshalb auf Bewegung angewiesen. Dieses Quellenverzeichnis zum Pferde-CAMPUS-Beitrag „Das Lymphsystem beim Pferd“ führt die wissenschaftlichen Belege zu allen Aussagen des Videos auf – peer-reviewed Studien und veterinärmedizinische Referenzwerke, ehrlich eingeordnet. Kommerzielle Quellen wurden bewusst ausgeschlossen.

Zusammengestellt von Sabine Stamm – Gründungsmitglied von balance4animals und Futterberaterin mit über 15 Jahren Erfahrung in individueller, herstellerunabhängiger Pferdeernährung. balance4animals steht für wissenschaftlich fundiertes Wissen und artgerechte Ernährung von Pferden.

1. Anatomie und Physiologie des Lymphsystems

Das Lymphsystem besteht aus initialen Lymphkapillaren im Gewebe, größeren Lymphgefäßen mit Klappen, den Lymphknoten als Filterstationen sowie lymphatischen Organen wie Milz, Thymus und dem darmassoziierten lymphatischen Gewebe. In den Gefäßen fließt die Lymphe – eine klare Flüssigkeit aus dem Gewebe, die Eiweiß, Zellreste und Krankheitserreger mitführt. Ihre Grundaufgabe ist, überschüssige Gewebeflüssigkeit aufzunehmen, in den Lymphknoten (den Filterstationen) immunologisch zu prüfen und schließlich in den venösen Kreislauf zurückzuführen. Weil dem System eine zentrale Pumpe fehlt, beruht der Transport auf Eigenkontraktionen der Lymphgefäße, auf der Klappenmechanik und auf äußeren Kräften wie Gewebedruck, Atmung und Muskelarbeit.

Quellen: Nikles S. A. & Heath T. J. (1992), Pathways of lymph flow through intestinal lymph nodes in the horse, Journal of Anatomy. · Heath T. J., Nikles S. A. & Brandon M. R. (1989), Pathways between lymph vessels and sinuses in lymph nodes: a study in the horse, Journal of Anatomy. · Mäkelä O. et al. (1997), Detection of equine and bovine T- and B-lymphocytes in formalin-fixed paraffin-embedded tissues, Veterinary Immunology and Immunopathology.

2. Besonderheiten beim Pferd – Darm-Lymphknoten und stauungsgefährdete Beine

Beim Pferd ist das Lymphsystem an zwei Stellen besonders auffällig. Zum einen im Darm: Als Pflanzenfresser mit großem Dickdarm und hoher mikrobieller Last hat das Pferd ständig eine hohe Belastung an Fremdstoffen im Verdauungstrakt. Genau deshalb sitzen im Darmbereich mehrere tausend Lymphknoten – deutlich mehr als beim Menschen; sie sind die tägliche Immunkontrolle. Zum anderen im unteren Bereich der Beine: Dort ist wenig Muskulatur, viel Sehne, und die Schwerkraft erschwert den Rückstrom. Deshalb sind „angelaufene Beine“ nach einer Nacht im Stall häufig – morgens dick, nach ein paar Schritten wieder normal. Das ist keine Krankheit, sondern ein Zeichen dafür, dass die Lymphe eine Pumpe braucht: Bewegung.

Quellen: Mackenzie G. (1975), Histological development of the thymic and intestinal lymphoid tissue of the horse, Veterinary Histology. · Nikles S. A. & Heath T. J. (1992), Journal of Anatomy (beschreibt die außergewöhnliche Komplexität der equinen Darmlymphknoten).

3. Die Milz als Blutkörperchen-Reservoir – pferdespezifisch

Anders als beim Menschen ist die Milz des Pferdes stark in die Kreislaufregulation unter Belastung eingebunden. Bei maximaler Arbeit zieht sie sich zusammen (Splenokontraktion – das aktive Zusammenziehen der Milz) und schickt zusätzliche rote Blutkörperchen in den Kreislauf; der Hämatokrit, also der Anteil roter Blutkörperchen im Blut, steigt dadurch deutlich. Das macht Pferde zu Ausdauersportlern – die Milz ist Teil dieses Systems. Zugleich ist sie lymphatisches Organ und filtert blutgetragene Antigene und Zelltrümmer. Der Thymus, das primäre Organ der T-Zell-Reifung, ist beim jungen Pferd besonders aktiv und beginnt seine Rückbildung bereits vor der Pubertät.

Quellen: Persson S. G. B. et al. (1997), Measurement of erythrocyte volumes in splenectomized horses, Equine Veterinary Journal. · Rock G. et al. (1994), Rheological characteristics of horse blood: significance during exercise, American Journal of Veterinary Research. · Savino W. et al. (2003), The equine thymus microenvironment, Developmental and Comparative Immunology.

4. Immunfunktion und der Zusammenhang mit dem Darm (GALT)

Das GALT (darmassoziiertes lymphatisches Gewebe) umfasst die Peyer-Plaques (organisierte lymphatische Knötchen in der Darmwand), diffuse lymphatische Zellen in der Schleimhaut und die mesenterialen Lymphknoten. Hier treffen Immunzellen auf alles, was fremd ist – Bakterien, Viren, Pilzsporen, Futterbestandteile. In den Follikeln vermehren sich B-Zellen und können zu antikörperbildenden Plasmazellen werden; T-Zellen werden im Thymus geprägt und in den sekundären Organen aktiviert. Für das Pferd sind diese T- und B-Zell-Zonen gut belegt; die feine funktionelle Kartierung steht hinter Maus und Mensch aber noch zurück. Ohne das Lymphsystem gäbe es keine gezielte Immunantwort.

Quelle: Larson E. M. & Wagner B. (2021), Viral infection and allergy – What equine immune responses can tell us about disease severity and protection, Molecular Immunology.

5. Bewegung, Kompression und Lymphfluss

Weil das Lymphsystem keine zentrale Pumpe hat, ist mechanische Reizung der wichtigste Faktor für den Transport: Muskelkontraktion, Gelenkbewegung und wechselnder Gewebedruck. Wenn das Pferd steht, steht auch die Lymphe; wenn es geht, fließt sie. Für die Praxis heißt das: viel freier Auslauf, Weide- oder Paddock-Trail-Haltung wo möglich, regelmäßige ruhige Bewegung im Schritt – auch Führen an der Hand ist Lymphtraining. Kontinuität zählt mehr als Intensität. Eine lymphszintigraphische Crossover-Studie an gesunden Pferden (2023) zeigte, dass eine pneumatische Kompression den Lymphfluss in der Vordergliedmaße signifikant beschleunigt – ein seltener direkter Beleg dafür, dass mechanischer Druck von außen die Lymphe bewegt. Studien zu „Bodenarbeit“ als Lymphtherapie fehlen; der Schluss aus der Physiologie ist plausibel, aber nicht eigens experimentell belegt.

Quellen: Koch T. et al. (2023), Pneumatic compression therapy using the EQ Press accelerates lymphatic flow in healthy equine forelimbs as determined by lymphoscintigraphy. · Johnson C. & Symons J. E. (2019), Measuring Volumetric Changes of Equine Distal Limbs.

6. Ernährung, antioxidative Systeme und Immunfunktion

Die ehrliche Antwort vorweg: Es gibt für das Pferd keine belastbare Studie, die zeigt, dass ein bestimmtes Futter den Lymphfluss direkt anregt. Ein „Lymph-Futter“ existiert nicht. Was sich ableiten lässt: Das Lymphsystem ist Teil des Immunsystems, und das braucht ausreichend Wasser, Elektrolyte, eine bedarfsgerechte Versorgung mit Spurenelementen und Zellschutz durch Vitamin E und weitere antioxidative Systeme. Interessant ist, dass Trainingsanpassung den antioxidativen Status junger Pferde stärker verbessert als eine isolierte Selen-Überversorgung. Daraus folgt kein Zusatzmittel, sondern eine solide, individuelle Grundversorgung – und bei chronischen Belastungen wie Übergewicht, viel Zucker oder ständigen Entzündungen ist genau das die eigentliche Baustelle.

Quelle: White S. H. & Warren L. K. (2017/2020), Submaximal exercise training, more than dietary selenium supplementation, improves antioxidant status in young horses, Journal of Equine Veterinary Science.

7. Phytotherapie – ehrliche Evidenz-Einordnung

Für Kräuter mit Lymphbezug gibt es beim Pferd fast keine kontrollierten Studien; die Belege stammen überwiegend aus dem Humanbereich oder aus Monographien der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) mit dem Status „traditional use“ (traditionelle Anwendung, auf Erfahrung gestützt, ohne starken klinischen Wirksamkeitsnachweis). Für Löwenzahn liegt eine kleine Human-Pilotstudie zur gesteigerten Harnausscheidung sowie eine EMA-Monographie vor – das betrifft aber die Diurese über die Nieren, nicht direkt die Lymphe. Für Brennnessel und Birkenblatt gilt Ähnliches: traditionelle Anwendung zur Erhöhung der Urinmenge, begrenzte klinische Evidenz. Steinklee (Honigklee, Melilotus officinalis) gilt in der Humanphytotherapie als eines der wenigen echten Lymphmittel, enthält aber Cumarine (Wirkstoffe mit Einfluss auf die Blutgerinnung) – bei tragenden Stuten und blutenden Verletzungen ist er deshalb nicht geeignet. Echinacea zeigte in einer kleineren Pferde-Studie zur Atemwegsunterstützung Effekte auf geschwollene Halslymphknoten – einer der wenigen konkreten Pferde-Bezüge, aber präklinisch und kleinformatig. Fazit: Die stärkste Wirkung im Alltag hat Bewegung; Kräuter können bei passender Indikation und bedachter Dosierung ergänzen, am besten mit fachlicher Begleitung.

Quellen: Clare B. A., Conroy R. S. & Spelman K. (2009), The Diuretic Effect in Human Subjects of an Extract of Taraxacum officinale Folium over a Single Day, Journal of Alternative and Complementary Medicine. · EMA-Monographien zu Taraxacum officinale (Löwenzahn), Urtica dioica/urens folium (Brennnessel) und Betula pendula/pubescens folium (Birke).

8. Krankheiten des Lymphsystems

Die klinisch wichtigste akute Störung ist die Lymphangitis (akute Entzündung der Lymphbahnen), oft im Grenzbereich zur Cellulitis. Typisch sind ein plötzlich stark geschwollenes, warmes und schmerzhaftes Bein – häufig einseitig, mit deutlicher Lahmheit, manchmal Fieber. Das ist ein Notfall: Je früher behandelt wird, desto besser die Prognose. Die wichtigste chronische Erkrankung ist das chronisch fortschreitende Lymphödem (englisch: Chronic Progressive Lymphedema, CPL). Es betrifft vor allem Kaltblut- und schwere Rassen mit dichtem Behang und zeigt sich durch fortschreitende Schwellungen, verdickte Haut, Falten- und Knotenbildung sowie Hyperkeratose (krankhaft verdickte Hornhaut) an Fessel und Röhrbein. CPL ist nicht heilbar, aber gut managbar – mit konsequenter Hautpflege, Milbenkontrolle, Bewegung und in fortgeschrittenen Fällen mit manueller Lymphdrainage und Kompression. Die Ursache ist nicht abschließend geklärt: Man geht heute von einem Teufelskreis aus Lymphabflussstörung, Entzündung und Fibrose aus. Eine genetische Veranlagung ist wahrscheinlich, ein einfaches Ein-Gen-Modell (Kandidat FOXC2) erklärte die Erkrankung jedoch nicht. Neuere Daten zeigen zudem eine starke Assoziation mit Chorioptes-bovis-Milben – ein multifaktorielles Bild. In stark disponierten Populationen sind die Prävalenzen hoch: Bei älteren belgischen Kaltblütern wurden bis zu 85,86 % berichtet, und beim Rheinisch-Deutschen Kaltblut treten erste Fälle bereits mit 1–2 Jahren auf, wobei Weidehaltung mit geringeren Schweregraden verbunden war.

Quellen: Brys M. et al. (2023), Chronic Progressive Lymphedema in Belgian Draft Horses. · Sievers G. & Distl O. (2023), Prevalence of Chronic Progressive Lymphedema in the Rhenish German Draught Horse. · Brys M. et al. (2025), High prevalence of Chorioptes bovis. · Young E. J. et al. (2006), Evaluation of FOXC2 as a candidate gene for chronic progressive lymphedema. · Merck Veterinary Manual – Lymphangitis in Horses.

Quellen im Überblick

1. Nikles S. A. & Heath T. J. (1992). Pathways of lymph flow through intestinal lymph nodes in the horse. Journal of Anatomy.
2. Heath T. J., Nikles S. A. & Brandon M. R. (1989). Pathways between lymph vessels and sinuses in lymph nodes: a study in the horse. Journal of Anatomy.
3. Mäkelä O. et al. (1997). Detection of equine and bovine T- and B-lymphocytes in formalin-fixed paraffin-embedded tissues. Veterinary Immunology and Immunopathology.
4. Mackenzie G. (1975). Histological development of the thymic and intestinal lymphoid tissue of the horse. Veterinary Histology.
5. Persson S. G. B. et al. (1997). Measurement of erythrocyte volumes in splenectomized horses. Equine Veterinary Journal.
6. Rock G. et al. (1994). Rheological characteristics of horse blood: significance during exercise. American Journal of Veterinary Research.
7. Savino W. et al. (2003). The equine thymus microenvironment: a morphological and immunohistochemical analysis of post-natal involution. Developmental and Comparative Immunology.
8. Larson E. M. & Wagner B. (2021). Viral infection and allergy – What equine immune responses can tell us about disease severity and protection. Molecular Immunology.
9. Koch T. et al. (2023). Pneumatic compression therapy using the EQ Press accelerates lymphatic flow in healthy equine forelimbs as determined by lymphoscintigraphy.
10. Johnson C. & Symons J. E. (2019). Measuring Volumetric Changes of Equine Distal Limbs.
11. White S. H. & Warren L. K. (2017/2020). Submaximal exercise training, more than dietary selenium supplementation, improves antioxidant status in young horses. Journal of Equine Veterinary Science.
12. Clare B. A., Conroy R. S. & Spelman K. (2009). The Diuretic Effect in Human Subjects of an Extract of Taraxacum officinale Folium over a Single Day. Journal of Alternative and Complementary Medicine.
13. EMA-Monographie Taraxacum officinale (Löwenzahn) – traditional use zur Harnflusserhöhung.
14. EMA-Monographie Urtica dioica / urens folium (Brennnessel) – traditional use, begrenzte klinische Evidenz.
15. EMA-Monographie Betula pendula / pubescens folium (Birke) – traditional use bei leichten Harnwegsbeschwerden.
16. Brys M. et al. (2023). Chronic Progressive Lymphedema in Belgian Draft Horses.
17. Sievers G. & Distl O. (2023). Prevalence of Chronic Progressive Lymphedema in the Rhenish German Draught Horse.
18. Brys M. et al. (2025). High prevalence of Chorioptes bovis: an important factor in chronic progressive lymphedema in Belgian draft horses.
19. Young E. J. et al. (2006). Evaluation of FOXC2 as a candidate gene for chronic progressive lymphedema.
20. Merck Veterinary Manual – Lymphangitis in Horses (klinische Referenz zu Symptomatik, Differenzialdiagnosen und Behandlung).

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Pferde CAMPUS · Wissen & Quellen Das Lymphsystem des Pferdes ist ein feines Netz aus Gefäßen, Klappen, Lymphknoten und lymphatischen Organen, das Flüssigkeit und Stoffe aus dem Gewebe... mehr erfahren »
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Pferde CAMPUS · Wissen & Quellen

Das Lymphsystem des Pferdes ist ein feines Netz aus Gefäßen, Klappen, Lymphknoten und lymphatischen Organen, das Flüssigkeit und Stoffe aus dem Gewebe aufnimmt, in den Lymphknoten immunologisch prüft und zurück in den Blutkreislauf führt. Es hat keine eigene Pumpe wie das Herz und ist deshalb auf Bewegung angewiesen. Dieses Quellenverzeichnis zum Pferde-CAMPUS-Beitrag „Das Lymphsystem beim Pferd“ führt die wissenschaftlichen Belege zu allen Aussagen des Videos auf – peer-reviewed Studien und veterinärmedizinische Referenzwerke, ehrlich eingeordnet. Kommerzielle Quellen wurden bewusst ausgeschlossen.

Zusammengestellt von Sabine Stamm – Gründungsmitglied von balance4animals und Futterberaterin mit über 15 Jahren Erfahrung in individueller, herstellerunabhängiger Pferdeernährung. balance4animals steht für wissenschaftlich fundiertes Wissen und artgerechte Ernährung von Pferden.

1. Anatomie und Physiologie des Lymphsystems

Das Lymphsystem besteht aus initialen Lymphkapillaren im Gewebe, größeren Lymphgefäßen mit Klappen, den Lymphknoten als Filterstationen sowie lymphatischen Organen wie Milz, Thymus und dem darmassoziierten lymphatischen Gewebe. In den Gefäßen fließt die Lymphe – eine klare Flüssigkeit aus dem Gewebe, die Eiweiß, Zellreste und Krankheitserreger mitführt. Ihre Grundaufgabe ist, überschüssige Gewebeflüssigkeit aufzunehmen, in den Lymphknoten (den Filterstationen) immunologisch zu prüfen und schließlich in den venösen Kreislauf zurückzuführen. Weil dem System eine zentrale Pumpe fehlt, beruht der Transport auf Eigenkontraktionen der Lymphgefäße, auf der Klappenmechanik und auf äußeren Kräften wie Gewebedruck, Atmung und Muskelarbeit.

Quellen: Nikles S. A. & Heath T. J. (1992), Pathways of lymph flow through intestinal lymph nodes in the horse, Journal of Anatomy. · Heath T. J., Nikles S. A. & Brandon M. R. (1989), Pathways between lymph vessels and sinuses in lymph nodes: a study in the horse, Journal of Anatomy. · Mäkelä O. et al. (1997), Detection of equine and bovine T- and B-lymphocytes in formalin-fixed paraffin-embedded tissues, Veterinary Immunology and Immunopathology.

2. Besonderheiten beim Pferd – Darm-Lymphknoten und stauungsgefährdete Beine

Beim Pferd ist das Lymphsystem an zwei Stellen besonders auffällig. Zum einen im Darm: Als Pflanzenfresser mit großem Dickdarm und hoher mikrobieller Last hat das Pferd ständig eine hohe Belastung an Fremdstoffen im Verdauungstrakt. Genau deshalb sitzen im Darmbereich mehrere tausend Lymphknoten – deutlich mehr als beim Menschen; sie sind die tägliche Immunkontrolle. Zum anderen im unteren Bereich der Beine: Dort ist wenig Muskulatur, viel Sehne, und die Schwerkraft erschwert den Rückstrom. Deshalb sind „angelaufene Beine“ nach einer Nacht im Stall häufig – morgens dick, nach ein paar Schritten wieder normal. Das ist keine Krankheit, sondern ein Zeichen dafür, dass die Lymphe eine Pumpe braucht: Bewegung.

Quellen: Mackenzie G. (1975), Histological development of the thymic and intestinal lymphoid tissue of the horse, Veterinary Histology. · Nikles S. A. & Heath T. J. (1992), Journal of Anatomy (beschreibt die außergewöhnliche Komplexität der equinen Darmlymphknoten).

3. Die Milz als Blutkörperchen-Reservoir – pferdespezifisch

Anders als beim Menschen ist die Milz des Pferdes stark in die Kreislaufregulation unter Belastung eingebunden. Bei maximaler Arbeit zieht sie sich zusammen (Splenokontraktion – das aktive Zusammenziehen der Milz) und schickt zusätzliche rote Blutkörperchen in den Kreislauf; der Hämatokrit, also der Anteil roter Blutkörperchen im Blut, steigt dadurch deutlich. Das macht Pferde zu Ausdauersportlern – die Milz ist Teil dieses Systems. Zugleich ist sie lymphatisches Organ und filtert blutgetragene Antigene und Zelltrümmer. Der Thymus, das primäre Organ der T-Zell-Reifung, ist beim jungen Pferd besonders aktiv und beginnt seine Rückbildung bereits vor der Pubertät.

Quellen: Persson S. G. B. et al. (1997), Measurement of erythrocyte volumes in splenectomized horses, Equine Veterinary Journal. · Rock G. et al. (1994), Rheological characteristics of horse blood: significance during exercise, American Journal of Veterinary Research. · Savino W. et al. (2003), The equine thymus microenvironment, Developmental and Comparative Immunology.

4. Immunfunktion und der Zusammenhang mit dem Darm (GALT)

Das GALT (darmassoziiertes lymphatisches Gewebe) umfasst die Peyer-Plaques (organisierte lymphatische Knötchen in der Darmwand), diffuse lymphatische Zellen in der Schleimhaut und die mesenterialen Lymphknoten. Hier treffen Immunzellen auf alles, was fremd ist – Bakterien, Viren, Pilzsporen, Futterbestandteile. In den Follikeln vermehren sich B-Zellen und können zu antikörperbildenden Plasmazellen werden; T-Zellen werden im Thymus geprägt und in den sekundären Organen aktiviert. Für das Pferd sind diese T- und B-Zell-Zonen gut belegt; die feine funktionelle Kartierung steht hinter Maus und Mensch aber noch zurück. Ohne das Lymphsystem gäbe es keine gezielte Immunantwort.

Quelle: Larson E. M. & Wagner B. (2021), Viral infection and allergy – What equine immune responses can tell us about disease severity and protection, Molecular Immunology.

5. Bewegung, Kompression und Lymphfluss

Weil das Lymphsystem keine zentrale Pumpe hat, ist mechanische Reizung der wichtigste Faktor für den Transport: Muskelkontraktion, Gelenkbewegung und wechselnder Gewebedruck. Wenn das Pferd steht, steht auch die Lymphe; wenn es geht, fließt sie. Für die Praxis heißt das: viel freier Auslauf, Weide- oder Paddock-Trail-Haltung wo möglich, regelmäßige ruhige Bewegung im Schritt – auch Führen an der Hand ist Lymphtraining. Kontinuität zählt mehr als Intensität. Eine lymphszintigraphische Crossover-Studie an gesunden Pferden (2023) zeigte, dass eine pneumatische Kompression den Lymphfluss in der Vordergliedmaße signifikant beschleunigt – ein seltener direkter Beleg dafür, dass mechanischer Druck von außen die Lymphe bewegt. Studien zu „Bodenarbeit“ als Lymphtherapie fehlen; der Schluss aus der Physiologie ist plausibel, aber nicht eigens experimentell belegt.

Quellen: Koch T. et al. (2023), Pneumatic compression therapy using the EQ Press accelerates lymphatic flow in healthy equine forelimbs as determined by lymphoscintigraphy. · Johnson C. & Symons J. E. (2019), Measuring Volumetric Changes of Equine Distal Limbs.

6. Ernährung, antioxidative Systeme und Immunfunktion

Die ehrliche Antwort vorweg: Es gibt für das Pferd keine belastbare Studie, die zeigt, dass ein bestimmtes Futter den Lymphfluss direkt anregt. Ein „Lymph-Futter“ existiert nicht. Was sich ableiten lässt: Das Lymphsystem ist Teil des Immunsystems, und das braucht ausreichend Wasser, Elektrolyte, eine bedarfsgerechte Versorgung mit Spurenelementen und Zellschutz durch Vitamin E und weitere antioxidative Systeme. Interessant ist, dass Trainingsanpassung den antioxidativen Status junger Pferde stärker verbessert als eine isolierte Selen-Überversorgung. Daraus folgt kein Zusatzmittel, sondern eine solide, individuelle Grundversorgung – und bei chronischen Belastungen wie Übergewicht, viel Zucker oder ständigen Entzündungen ist genau das die eigentliche Baustelle.

Quelle: White S. H. & Warren L. K. (2017/2020), Submaximal exercise training, more than dietary selenium supplementation, improves antioxidant status in young horses, Journal of Equine Veterinary Science.

7. Phytotherapie – ehrliche Evidenz-Einordnung

Für Kräuter mit Lymphbezug gibt es beim Pferd fast keine kontrollierten Studien; die Belege stammen überwiegend aus dem Humanbereich oder aus Monographien der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) mit dem Status „traditional use“ (traditionelle Anwendung, auf Erfahrung gestützt, ohne starken klinischen Wirksamkeitsnachweis). Für Löwenzahn liegt eine kleine Human-Pilotstudie zur gesteigerten Harnausscheidung sowie eine EMA-Monographie vor – das betrifft aber die Diurese über die Nieren, nicht direkt die Lymphe. Für Brennnessel und Birkenblatt gilt Ähnliches: traditionelle Anwendung zur Erhöhung der Urinmenge, begrenzte klinische Evidenz. Steinklee (Honigklee, Melilotus officinalis) gilt in der Humanphytotherapie als eines der wenigen echten Lymphmittel, enthält aber Cumarine (Wirkstoffe mit Einfluss auf die Blutgerinnung) – bei tragenden Stuten und blutenden Verletzungen ist er deshalb nicht geeignet. Echinacea zeigte in einer kleineren Pferde-Studie zur Atemwegsunterstützung Effekte auf geschwollene Halslymphknoten – einer der wenigen konkreten Pferde-Bezüge, aber präklinisch und kleinformatig. Fazit: Die stärkste Wirkung im Alltag hat Bewegung; Kräuter können bei passender Indikation und bedachter Dosierung ergänzen, am besten mit fachlicher Begleitung.

Quellen: Clare B. A., Conroy R. S. & Spelman K. (2009), The Diuretic Effect in Human Subjects of an Extract of Taraxacum officinale Folium over a Single Day, Journal of Alternative and Complementary Medicine. · EMA-Monographien zu Taraxacum officinale (Löwenzahn), Urtica dioica/urens folium (Brennnessel) und Betula pendula/pubescens folium (Birke).

8. Krankheiten des Lymphsystems

Die klinisch wichtigste akute Störung ist die Lymphangitis (akute Entzündung der Lymphbahnen), oft im Grenzbereich zur Cellulitis. Typisch sind ein plötzlich stark geschwollenes, warmes und schmerzhaftes Bein – häufig einseitig, mit deutlicher Lahmheit, manchmal Fieber. Das ist ein Notfall: Je früher behandelt wird, desto besser die Prognose. Die wichtigste chronische Erkrankung ist das chronisch fortschreitende Lymphödem (englisch: Chronic Progressive Lymphedema, CPL). Es betrifft vor allem Kaltblut- und schwere Rassen mit dichtem Behang und zeigt sich durch fortschreitende Schwellungen, verdickte Haut, Falten- und Knotenbildung sowie Hyperkeratose (krankhaft verdickte Hornhaut) an Fessel und Röhrbein. CPL ist nicht heilbar, aber gut managbar – mit konsequenter Hautpflege, Milbenkontrolle, Bewegung und in fortgeschrittenen Fällen mit manueller Lymphdrainage und Kompression. Die Ursache ist nicht abschließend geklärt: Man geht heute von einem Teufelskreis aus Lymphabflussstörung, Entzündung und Fibrose aus. Eine genetische Veranlagung ist wahrscheinlich, ein einfaches Ein-Gen-Modell (Kandidat FOXC2) erklärte die Erkrankung jedoch nicht. Neuere Daten zeigen zudem eine starke Assoziation mit Chorioptes-bovis-Milben – ein multifaktorielles Bild. In stark disponierten Populationen sind die Prävalenzen hoch: Bei älteren belgischen Kaltblütern wurden bis zu 85,86 % berichtet, und beim Rheinisch-Deutschen Kaltblut treten erste Fälle bereits mit 1–2 Jahren auf, wobei Weidehaltung mit geringeren Schweregraden verbunden war.

Quellen: Brys M. et al. (2023), Chronic Progressive Lymphedema in Belgian Draft Horses. · Sievers G. & Distl O. (2023), Prevalence of Chronic Progressive Lymphedema in the Rhenish German Draught Horse. · Brys M. et al. (2025), High prevalence of Chorioptes bovis. · Young E. J. et al. (2006), Evaluation of FOXC2 as a candidate gene for chronic progressive lymphedema. · Merck Veterinary Manual – Lymphangitis in Horses.

Quellen im Überblick

1. Nikles S. A. & Heath T. J. (1992). Pathways of lymph flow through intestinal lymph nodes in the horse. Journal of Anatomy.
2. Heath T. J., Nikles S. A. & Brandon M. R. (1989). Pathways between lymph vessels and sinuses in lymph nodes: a study in the horse. Journal of Anatomy.
3. Mäkelä O. et al. (1997). Detection of equine and bovine T- and B-lymphocytes in formalin-fixed paraffin-embedded tissues. Veterinary Immunology and Immunopathology.
4. Mackenzie G. (1975). Histological development of the thymic and intestinal lymphoid tissue of the horse. Veterinary Histology.
5. Persson S. G. B. et al. (1997). Measurement of erythrocyte volumes in splenectomized horses. Equine Veterinary Journal.
6. Rock G. et al. (1994). Rheological characteristics of horse blood: significance during exercise. American Journal of Veterinary Research.
7. Savino W. et al. (2003). The equine thymus microenvironment: a morphological and immunohistochemical analysis of post-natal involution. Developmental and Comparative Immunology.
8. Larson E. M. & Wagner B. (2021). Viral infection and allergy – What equine immune responses can tell us about disease severity and protection. Molecular Immunology.
9. Koch T. et al. (2023). Pneumatic compression therapy using the EQ Press accelerates lymphatic flow in healthy equine forelimbs as determined by lymphoscintigraphy.
10. Johnson C. & Symons J. E. (2019). Measuring Volumetric Changes of Equine Distal Limbs.
11. White S. H. & Warren L. K. (2017/2020). Submaximal exercise training, more than dietary selenium supplementation, improves antioxidant status in young horses. Journal of Equine Veterinary Science.
12. Clare B. A., Conroy R. S. & Spelman K. (2009). The Diuretic Effect in Human Subjects of an Extract of Taraxacum officinale Folium over a Single Day. Journal of Alternative and Complementary Medicine.
13. EMA-Monographie Taraxacum officinale (Löwenzahn) – traditional use zur Harnflusserhöhung.
14. EMA-Monographie Urtica dioica / urens folium (Brennnessel) – traditional use, begrenzte klinische Evidenz.
15. EMA-Monographie Betula pendula / pubescens folium (Birke) – traditional use bei leichten Harnwegsbeschwerden.
16. Brys M. et al. (2023). Chronic Progressive Lymphedema in Belgian Draft Horses.
17. Sievers G. & Distl O. (2023). Prevalence of Chronic Progressive Lymphedema in the Rhenish German Draught Horse.
18. Brys M. et al. (2025). High prevalence of Chorioptes bovis: an important factor in chronic progressive lymphedema in Belgian draft horses.
19. Young E. J. et al. (2006). Evaluation of FOXC2 as a candidate gene for chronic progressive lymphedema.
20. Merck Veterinary Manual – Lymphangitis in Horses (klinische Referenz zu Symptomatik, Differenzialdiagnosen und Behandlung).

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