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Dieses Quellenverzeichnis ist die wissenschaftliche Grundlage zum Pferde CAMPUS-Video „Fellwechsel und Leberkräuter – welche Ihrem Pferd jetzt wirklich helfen und welche schaden können" von balance4animals – eine nach Themen geordnete Sammlung peer-reviewter Studien, veterinärmedizinischer Fachbücher und Referenzwerke für Pferdefreunde, die verstehen wollen, warum Silymarin und Cholagoga grundverschieden wirken, was in der Fachliteratur zur Fellwechsel-Leber-Frage tatsächlich steht und wann eine sanfte Mariendistel-Unterstützung sinnvoll ist. Alle Aussagen im Video sind hier belegt. Studien an anderen Spezies als dem Pferd sind ausdrücklich mit ⚠ markiert.

Autorin: Sabine Stamm, Mitgründerin von balance4animals. Über 15 Jahre Erfahrung, spezialisiert auf individuelle und artgerechte Pferdeernährung.

1. Fellwechsel und Leberfunktion – was in der Pferdeliteratur steht (und was nicht)

Der Fellwechsel wird beim Pferd überwiegend durch die Tageslänge gesteuert – ein neuroendokriner Prozess, der mit Photoperiode und Prolaktin zusammenhängt. In den Standard-Fachbüchern der Pferdefütterung findet sich kein Beleg dafür, dass der Fellwechsel typische Leberwerte erhöht oder eine physiologische Leberbelastung darstellt.

  • Suzuki T, Mizukami H, Nambo Y et al. (2015). Different effects of an extended photoperiod treatment on growth, gonadal function, and condition of hair coats in Thoroughbred yearlings reared under different climate conditions. Journal of Equine Science 26(4):113–124. DOI: 10.1294/jes.26.113. PMID: 26858576. Direkter equiner Beleg: Der Fellwechsel wird bei Pferden vor allem durch die Tageslänge (photoperiodische Regulation) gesteuert.
  • Harada T, Nambo Y, Ishimaru M et al. (2015). Promoting effects of an extended photoperiod treatment on the condition of hair coats and gonadal function in Thoroughbred weanlings. Journal of Equine Science 26. DOI: 10.1294/jes.26.147. PMID: 26858581. Zweite equine Photoperiode-Studie mit identischer Kernaussage.
  • Coenen M, Vervuert I (2020). Pferdefütterung. 6. Auflage. Enke Verlag. Volltextsuche nach „Fellwechsel", „Haarwechsel", „Ausleitung", „Entgiftungskur" = keine Treffer. Der oft behauptete Zusammenhang „Fellwechsel belastet die Leber" ist im deutschen Standardlehrwerk der Pferdefütterung nicht dokumentiert.
  • Geor RJ, Harris PA, Coenen M (Hrsg., 2013). Equine Applied and Clinical Nutrition. Saunders Elsevier. Wie oben: keine Referenzen zu einem Fellwechsel-Leber-Zusammenhang.

2. Mariendistel und Silymarin – Wirkmechanismen

Silymarin ist der wirksame Bestandteil der Mariendistelfrüchte – ein Gemisch mehrerer Flavonolignane (Silybin/Silibinin, Isosilybin, Silychristin, Silydianin), 1–3 % in den Früchten. Drei Wirkmechanismen sind pharmakologisch etabliert: Membranstabilisierung gegen oxidative Schädigung, Regenerationsanstoß über gesteigerte ribosomale RNA-Synthese, antioxidative und antiinflammatorische Wirkung.

  • Reichling J, Frater-Schröder M, Saller R, Fitzi-Rathgen J, Gachnian-Mirtscheva R (2016). Heilpflanzen für die Veterinärpraxis. 3. Auflage. Springer. Kapitel 11.5 „Mariendistel" (Silybum marianum), Seite 173. Zentrale phytotherapeutische Referenz für den 3-fach-Wirkmechanismus des Silymarins.
  • ⚠ Bosisio E, Benelli C, Pirola O (1992). Effect of the flavanolignans of Silybum marianum L. on lipid peroxidation in rat liver microsomes and freshly isolated hepatocytes. Pharmacological Research 25(2):147–154. DOI: 10.1016/1043-6618(92)91383-R. PMID: 1635893. Rattenmodell + Zellkultur.
  • ⚠ Sonnenbichler J, Zetl I (1984). Mechanism of action of silibinin. V. Effect of silibinin on the synthesis of ribosomal RNA, mRNA and tRNA in rat liver in vivo. Hoppe-Seyler's Zeitschrift für Physiologische Chemie 365(5):555–566. PMID: 6469218. Ratte. Klassische Grundlagenarbeit zur rRNA-Stimulation durch Silibinin.
  • Abenavoli L, Capasso R, Milic N, Capasso F (2010). Milk thistle in liver diseases: past, present, future. Phytotherapy Research 24(10):1423–1432. DOI: 10.1002/ptr.3207. PMID: 20564545. Übersichtsarbeit zu Silymarin-Wirkmechanismen.
  • Surai PF (2015). Silymarin as a natural antioxidant: an overview of the current evidence and perspectives. Antioxidants 4(1):204–247. DOI: 10.3390/antiox4010204. Umfassende Übersicht zur antioxidativen Wirkung.

3. Silymarin beim Pferd – die vorhandene direkte Evidenz

Zur Ehrlichkeit: Alle direkten Silymarin-Pferdestudien in der peer-reviewten Literatur zusammengenommen umfassen etwa 25 Pferde. Es gibt keine große randomisierte, placebo-kontrollierte Studie mit spontan erkrankten Leberpatienten. Die vorhandenen Studien sind explorativ, dosis-testend oder kombiniert mit anderen Kräutern.

  • Dockalova H, Zeman L, Baholet D, Batik A, Skalickova S, Horky P (2021). Dose Effect of Milk Thistle (Silybum marianum) Seed Cakes on the Digestibility of Nutrients, Flavonolignans and the Individual Components of the Silymarin Complex in Horses. Animals 11(6):1687. DOI: 10.3390/ani11061687. PMID: 34198877. Direkter equiner Beleg: Fünf Stuten, orale Verfügbarkeit einzelner Silymarinbestandteile beim Pferd.
  • Dockalova H, Zeman L, Horky P (2021). Influence of Milk Thistle (Silybum marianum) Seed Cakes on Biochemical Values of Equine Plasma Subjected to Physical Exertion. Animals 11(1):210. DOI: 10.3390/ani11010210. PMID: 33467154. Direkter equiner Beleg: Explorative Fütterungsstudie mit 10 Pferden unter körperlicher Belastung.
  • Mosquera Jaramillo F, Velasquez Piñeros DD, Corrêa RR, Pogliani FC, Cogliati B, Baccarin RYA (2020). Efficacy of oral Cynara scolymus and Silybum marianum on toxicity of imidocarb dipropionate in horses. Veterinary Record Open 7(1):e000416. DOI: 10.1136/vetreco-2020-000416. PMID: 33178437. Direkter equiner Beleg: Zehn Pferde, 30 Tage Kombination aus Artischocke + Mariendistel nach Imidocarb-Gabe. Wichtig: Kombinationspräparat, keine isolierte Silymarin-Aussage möglich.
  • Reisinger N, Schaumberger S, Nagl V, Hessenberger S, Schatzmayr G (2014). Milk thistle extract and silymarin inhibit lipopolysaccharide induced effects on the hoof lamellar tissue of horses in vitro. Toxins 6(10):2962–2973. DOI: 10.3390/toxins6102962. PMID: 25290524. Equines Hufgewebe in vitro, Laminitis-Modell. Wichtig zur Einordnung: Das ist ein Hufrehe-Modell, keine Canker-/Hufkrebs-Studie und keine Leberstudie.

4. Artischocke, Löwenzahn und Schöllkraut – Cholagoga und Sicherheits-Kontext

Artischocke und Löwenzahn gehören zu den Cholagoga – Pflanzen, die den Gallenfluss anregen. Artischocke ist beim Menschen belegt (bis +152 % Gallensekretion). Löwenzahn zeigt in der einzigen sauber gemessenen Humanstudie primär eine Diurese-Wirkung. Schöllkraut ist wegen dokumentierter humaner Hepatotoxizität mit Vorsicht zu betrachten.

  • Reichling J et al. (2016). Kapitel 11.1 „Artischocke" (Cynara scolymus), Seite 168. Choleretische, cholekinetische, lipid-/cholesterinsenkende und hepatostimulierende Wirkungen; Ratten +20 bis 40 % Galleproduktion. Kontraindikationen: Verschluss der Gallenwege, Gallensteine, Korbblütler-Überempfindlichkeit.
  • ⚠ Kirchhoff R, Beckers C, Kirchhoff GM, Trinczek-Gärtner H, Petrowicz O, Reimann HJ (1994). Increase in choleresis by means of artichoke extract. Phytomedicine 1(2):107–115. DOI: 10.1016/S0944-7113(11)80027-9. PMID: 23195882. Humanstudie (20 Personen, RCT-Crossover): nach Artischocken-Extrakt +127 % nach 30 Min, +152 % nach 60 Min Gallensekretion. Beleg für die im Video genannten „~150 % Cholerese-Anstieg beim Menschen".
  • ⚠ Saénz Rodríguez T, García Giménez D, de la Puerta Vázquez R (2002). Choleretic activity and biliary elimination of lipids and bile acids induced by an artichoke leaf extract in rats. Phytomedicine 9(8):687–693. DOI: 10.1078/094471102321621278. PMID: 12587687. Ratte, choleretische Bestätigung.
  • Reichling J et al. (2016). Löwenzahn (Taraxacum officinale): §8.17 (Verdauung/Bitterstoffe, S. 81), §11.4 (Leber/Galle, S. 172) und §16.4 (Niere/Harnwege, S. 275). In drei separaten Organkapiteln als wirksam eingeordnet – choleretisch, aquaretisch und verdauungsfördernd.
  • ⚠ Clare BA, Conroy RS, Spelman K (2009). The diuretic effect in human subjects of an extract of Taraxacum officinale folium over a single day. Journal of Alternative and Complementary Medicine 15(8):929–934. DOI: 10.1089/acm.2008.0152. PMID: 19678785. Humanstudie: die einzige belastbar gemessene Wirkung von Löwenzahn-Blattextrakt war eine erhöhte Diurese – kein direkter Beleg einer klinisch relevanten Cholerese.
  • ⚠ Greving I, Meister V, Monnerjahn C, Müller KM, May B (1998). Chelidonium majus: a rare reason for severe hepatotoxic reaction. Pharmacoepidemiology and Drug Safety 7 Suppl 1:S66–S69. PMID: 15073964. Humanberichte: dokumentierte schwere hepatotoxische Reaktionen unter Schöllkraut-Anwendung beim Menschen.
  • ⚠ Gilca M, Gaman L, Panait E, Stoian I, Atanasiu V (2010). Chelidonium majus – an integrative review: traditional knowledge versus modern findings. Forschende Komplementaermedizin 17(5):241–248. DOI: 10.1159/000321397. PMID: 20980763. Integrative Übersicht zur Schöllkraut-Kontroverse zwischen berichteten hepatoprotektiven Effekten und klinischer Hepatotoxizität. Beim Pferd fehlen jegliche Sicherheits- und Wirksamkeitsdaten.

5. Pferdeanatomie und was die Leber wirklich belastet

Das Pferd besitzt keine Gallenblase – Galle wird kontinuierlich sezerniert, nicht stossweise entleert. Belegte Schädigungsfaktoren der Pferdeleber sind Giftpflanzen (Kreuzkraut/Senecio, Alsike-Klee), Mykotoxine, Schwermetalle und chronischer Vitamin-E-Mangel. Sichtbare Photosensibilisierung tritt erst bei etwa 80 % Leberkapazitätsverlust auf.

  • Gronwall R, Engelking LR, Anwer MS, Erichsen DF, Klentz RD (1975). Bile secretion in ponies with biliary fistulas. American Journal of Veterinary Research 36(5):653–654. PMID: 1137211. Direkter equiner Beleg: Kontinuierliche biliäre Sekretion beim Pferd (keine Gallenblase, keine stossweise Entleerung).
  • MSD Veterinary Manual – Cholelithiasis in Large Animals. Frei online: msdvetmanual.com. Standardreferenz zur equinen Hepatobiliär-Anatomie.
  • Gronwall R, Engelking LR, Noonan N (1980). Direct measurement of biliary bilirubin excretion in ponies during fasting. American Journal of Veterinary Research 41(1):125–126. PMID: 7362117. Direkter equiner Beleg: Fasten-Hyperbilirubinämie beim Pferd. Erhöhtes Bilirubin bei schlecht fressenden Pferden ist nicht automatisch ein Leberkrankheits-Zeichen.
  • Coenen M, Vervuert I (2020). Kapitel 10.8 „Krankheiten der Leber" (S. 314). Nutritive Ursachen: Giftpflanzen (Kreuzkraut/Senecio), Schimmelpilze (Penicillium, Aspergillus), Mykotoxine (Aflatoxin), Schwermetalle (Blei), chronischer Vitamin-E-Mangel. Beobachtung, dass erhöhte Leberenzyme in der Routine-Blutuntersuchung „vielfach ohne klinische Symptome" gefunden werden.
  • Naylor JM, Bell RJW, Bailey JV (Hrsg., 2013). Equine Clinical Nutrition (Remillard et al.). Kapitel 12 „Plant-induced liver disease". Pyrrolizidinalkaloid-haltige Pflanzen (Kreuzkraut/Jakobskreuzkraut), Alsike-Klee, saponinhaltige Pflanzen. Sekundäre Photosensibilisierung: Phylloerythrin staut sich im Blut, wenn Leber zu 80 % oder mehr geschädigt – sichtbare Läsionen auf unpigmentierter Haut.

Referenzwerke im Überblick

  • Coenen M, Vervuert I (2020). Pferdefütterung. 6. Auflage. Enke Verlag. Deutsches Standardwerk der wissenschaftlichen Pferdefütterung.
  • Geor RJ, Harris PA, Coenen M (Hrsg., 2013). Equine Applied and Clinical Nutrition. Saunders Elsevier. Englischsprachiges Klinik-Standardwerk.
  • Naylor JM, Bell RJW, Bailey JV (Hrsg., 2013). Equine Clinical Nutrition (Remillard). Wiley-Blackwell. Klinisch-diätetisches Standardwerk mit ausführlichem Kapitel zu pflanzenbedingten Lebererkrankungen.
  • Reichling J, Frater-Schröder M, Saller R, Fitzi-Rathgen J, Gachnian-Mirtscheva R (2016). Heilpflanzen für die Veterinärpraxis. 3. Auflage. Springer.
  • National Research Council (2007). Nutrient Requirements of Horses. 6th Revised Edition. National Academies Press. DOI: 10.17226/11653.
  • Merck / MSD Veterinary Manual. Frei verfügbar: msdvetmanual.com
Dieses Quellenverzeichnis ist die wissenschaftliche Grundlage zum Pferde CAMPUS-Video „Fellwechsel und Leberkräuter – welche Ihrem Pferd jetzt wirklich helfen und welche schaden können" von... mehr erfahren »
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Dieses Quellenverzeichnis ist die wissenschaftliche Grundlage zum Pferde CAMPUS-Video „Fellwechsel und Leberkräuter – welche Ihrem Pferd jetzt wirklich helfen und welche schaden können" von balance4animals – eine nach Themen geordnete Sammlung peer-reviewter Studien, veterinärmedizinischer Fachbücher und Referenzwerke für Pferdefreunde, die verstehen wollen, warum Silymarin und Cholagoga grundverschieden wirken, was in der Fachliteratur zur Fellwechsel-Leber-Frage tatsächlich steht und wann eine sanfte Mariendistel-Unterstützung sinnvoll ist. Alle Aussagen im Video sind hier belegt. Studien an anderen Spezies als dem Pferd sind ausdrücklich mit ⚠ markiert.

Autorin: Sabine Stamm, Mitgründerin von balance4animals. Über 15 Jahre Erfahrung, spezialisiert auf individuelle und artgerechte Pferdeernährung.

1. Fellwechsel und Leberfunktion – was in der Pferdeliteratur steht (und was nicht)

Der Fellwechsel wird beim Pferd überwiegend durch die Tageslänge gesteuert – ein neuroendokriner Prozess, der mit Photoperiode und Prolaktin zusammenhängt. In den Standard-Fachbüchern der Pferdefütterung findet sich kein Beleg dafür, dass der Fellwechsel typische Leberwerte erhöht oder eine physiologische Leberbelastung darstellt.

  • Suzuki T, Mizukami H, Nambo Y et al. (2015). Different effects of an extended photoperiod treatment on growth, gonadal function, and condition of hair coats in Thoroughbred yearlings reared under different climate conditions. Journal of Equine Science 26(4):113–124. DOI: 10.1294/jes.26.113. PMID: 26858576. Direkter equiner Beleg: Der Fellwechsel wird bei Pferden vor allem durch die Tageslänge (photoperiodische Regulation) gesteuert.
  • Harada T, Nambo Y, Ishimaru M et al. (2015). Promoting effects of an extended photoperiod treatment on the condition of hair coats and gonadal function in Thoroughbred weanlings. Journal of Equine Science 26. DOI: 10.1294/jes.26.147. PMID: 26858581. Zweite equine Photoperiode-Studie mit identischer Kernaussage.
  • Coenen M, Vervuert I (2020). Pferdefütterung. 6. Auflage. Enke Verlag. Volltextsuche nach „Fellwechsel", „Haarwechsel", „Ausleitung", „Entgiftungskur" = keine Treffer. Der oft behauptete Zusammenhang „Fellwechsel belastet die Leber" ist im deutschen Standardlehrwerk der Pferdefütterung nicht dokumentiert.
  • Geor RJ, Harris PA, Coenen M (Hrsg., 2013). Equine Applied and Clinical Nutrition. Saunders Elsevier. Wie oben: keine Referenzen zu einem Fellwechsel-Leber-Zusammenhang.

2. Mariendistel und Silymarin – Wirkmechanismen

Silymarin ist der wirksame Bestandteil der Mariendistelfrüchte – ein Gemisch mehrerer Flavonolignane (Silybin/Silibinin, Isosilybin, Silychristin, Silydianin), 1–3 % in den Früchten. Drei Wirkmechanismen sind pharmakologisch etabliert: Membranstabilisierung gegen oxidative Schädigung, Regenerationsanstoß über gesteigerte ribosomale RNA-Synthese, antioxidative und antiinflammatorische Wirkung.

  • Reichling J, Frater-Schröder M, Saller R, Fitzi-Rathgen J, Gachnian-Mirtscheva R (2016). Heilpflanzen für die Veterinärpraxis. 3. Auflage. Springer. Kapitel 11.5 „Mariendistel" (Silybum marianum), Seite 173. Zentrale phytotherapeutische Referenz für den 3-fach-Wirkmechanismus des Silymarins.
  • ⚠ Bosisio E, Benelli C, Pirola O (1992). Effect of the flavanolignans of Silybum marianum L. on lipid peroxidation in rat liver microsomes and freshly isolated hepatocytes. Pharmacological Research 25(2):147–154. DOI: 10.1016/1043-6618(92)91383-R. PMID: 1635893. Rattenmodell + Zellkultur.
  • ⚠ Sonnenbichler J, Zetl I (1984). Mechanism of action of silibinin. V. Effect of silibinin on the synthesis of ribosomal RNA, mRNA and tRNA in rat liver in vivo. Hoppe-Seyler's Zeitschrift für Physiologische Chemie 365(5):555–566. PMID: 6469218. Ratte. Klassische Grundlagenarbeit zur rRNA-Stimulation durch Silibinin.
  • Abenavoli L, Capasso R, Milic N, Capasso F (2010). Milk thistle in liver diseases: past, present, future. Phytotherapy Research 24(10):1423–1432. DOI: 10.1002/ptr.3207. PMID: 20564545. Übersichtsarbeit zu Silymarin-Wirkmechanismen.
  • Surai PF (2015). Silymarin as a natural antioxidant: an overview of the current evidence and perspectives. Antioxidants 4(1):204–247. DOI: 10.3390/antiox4010204. Umfassende Übersicht zur antioxidativen Wirkung.

3. Silymarin beim Pferd – die vorhandene direkte Evidenz

Zur Ehrlichkeit: Alle direkten Silymarin-Pferdestudien in der peer-reviewten Literatur zusammengenommen umfassen etwa 25 Pferde. Es gibt keine große randomisierte, placebo-kontrollierte Studie mit spontan erkrankten Leberpatienten. Die vorhandenen Studien sind explorativ, dosis-testend oder kombiniert mit anderen Kräutern.

  • Dockalova H, Zeman L, Baholet D, Batik A, Skalickova S, Horky P (2021). Dose Effect of Milk Thistle (Silybum marianum) Seed Cakes on the Digestibility of Nutrients, Flavonolignans and the Individual Components of the Silymarin Complex in Horses. Animals 11(6):1687. DOI: 10.3390/ani11061687. PMID: 34198877. Direkter equiner Beleg: Fünf Stuten, orale Verfügbarkeit einzelner Silymarinbestandteile beim Pferd.
  • Dockalova H, Zeman L, Horky P (2021). Influence of Milk Thistle (Silybum marianum) Seed Cakes on Biochemical Values of Equine Plasma Subjected to Physical Exertion. Animals 11(1):210. DOI: 10.3390/ani11010210. PMID: 33467154. Direkter equiner Beleg: Explorative Fütterungsstudie mit 10 Pferden unter körperlicher Belastung.
  • Mosquera Jaramillo F, Velasquez Piñeros DD, Corrêa RR, Pogliani FC, Cogliati B, Baccarin RYA (2020). Efficacy of oral Cynara scolymus and Silybum marianum on toxicity of imidocarb dipropionate in horses. Veterinary Record Open 7(1):e000416. DOI: 10.1136/vetreco-2020-000416. PMID: 33178437. Direkter equiner Beleg: Zehn Pferde, 30 Tage Kombination aus Artischocke + Mariendistel nach Imidocarb-Gabe. Wichtig: Kombinationspräparat, keine isolierte Silymarin-Aussage möglich.
  • Reisinger N, Schaumberger S, Nagl V, Hessenberger S, Schatzmayr G (2014). Milk thistle extract and silymarin inhibit lipopolysaccharide induced effects on the hoof lamellar tissue of horses in vitro. Toxins 6(10):2962–2973. DOI: 10.3390/toxins6102962. PMID: 25290524. Equines Hufgewebe in vitro, Laminitis-Modell. Wichtig zur Einordnung: Das ist ein Hufrehe-Modell, keine Canker-/Hufkrebs-Studie und keine Leberstudie.

4. Artischocke, Löwenzahn und Schöllkraut – Cholagoga und Sicherheits-Kontext

Artischocke und Löwenzahn gehören zu den Cholagoga – Pflanzen, die den Gallenfluss anregen. Artischocke ist beim Menschen belegt (bis +152 % Gallensekretion). Löwenzahn zeigt in der einzigen sauber gemessenen Humanstudie primär eine Diurese-Wirkung. Schöllkraut ist wegen dokumentierter humaner Hepatotoxizität mit Vorsicht zu betrachten.

  • Reichling J et al. (2016). Kapitel 11.1 „Artischocke" (Cynara scolymus), Seite 168. Choleretische, cholekinetische, lipid-/cholesterinsenkende und hepatostimulierende Wirkungen; Ratten +20 bis 40 % Galleproduktion. Kontraindikationen: Verschluss der Gallenwege, Gallensteine, Korbblütler-Überempfindlichkeit.
  • ⚠ Kirchhoff R, Beckers C, Kirchhoff GM, Trinczek-Gärtner H, Petrowicz O, Reimann HJ (1994). Increase in choleresis by means of artichoke extract. Phytomedicine 1(2):107–115. DOI: 10.1016/S0944-7113(11)80027-9. PMID: 23195882. Humanstudie (20 Personen, RCT-Crossover): nach Artischocken-Extrakt +127 % nach 30 Min, +152 % nach 60 Min Gallensekretion. Beleg für die im Video genannten „~150 % Cholerese-Anstieg beim Menschen".
  • ⚠ Saénz Rodríguez T, García Giménez D, de la Puerta Vázquez R (2002). Choleretic activity and biliary elimination of lipids and bile acids induced by an artichoke leaf extract in rats. Phytomedicine 9(8):687–693. DOI: 10.1078/094471102321621278. PMID: 12587687. Ratte, choleretische Bestätigung.
  • Reichling J et al. (2016). Löwenzahn (Taraxacum officinale): §8.17 (Verdauung/Bitterstoffe, S. 81), §11.4 (Leber/Galle, S. 172) und §16.4 (Niere/Harnwege, S. 275). In drei separaten Organkapiteln als wirksam eingeordnet – choleretisch, aquaretisch und verdauungsfördernd.
  • ⚠ Clare BA, Conroy RS, Spelman K (2009). The diuretic effect in human subjects of an extract of Taraxacum officinale folium over a single day. Journal of Alternative and Complementary Medicine 15(8):929–934. DOI: 10.1089/acm.2008.0152. PMID: 19678785. Humanstudie: die einzige belastbar gemessene Wirkung von Löwenzahn-Blattextrakt war eine erhöhte Diurese – kein direkter Beleg einer klinisch relevanten Cholerese.
  • ⚠ Greving I, Meister V, Monnerjahn C, Müller KM, May B (1998). Chelidonium majus: a rare reason for severe hepatotoxic reaction. Pharmacoepidemiology and Drug Safety 7 Suppl 1:S66–S69. PMID: 15073964. Humanberichte: dokumentierte schwere hepatotoxische Reaktionen unter Schöllkraut-Anwendung beim Menschen.
  • ⚠ Gilca M, Gaman L, Panait E, Stoian I, Atanasiu V (2010). Chelidonium majus – an integrative review: traditional knowledge versus modern findings. Forschende Komplementaermedizin 17(5):241–248. DOI: 10.1159/000321397. PMID: 20980763. Integrative Übersicht zur Schöllkraut-Kontroverse zwischen berichteten hepatoprotektiven Effekten und klinischer Hepatotoxizität. Beim Pferd fehlen jegliche Sicherheits- und Wirksamkeitsdaten.

5. Pferdeanatomie und was die Leber wirklich belastet

Das Pferd besitzt keine Gallenblase – Galle wird kontinuierlich sezerniert, nicht stossweise entleert. Belegte Schädigungsfaktoren der Pferdeleber sind Giftpflanzen (Kreuzkraut/Senecio, Alsike-Klee), Mykotoxine, Schwermetalle und chronischer Vitamin-E-Mangel. Sichtbare Photosensibilisierung tritt erst bei etwa 80 % Leberkapazitätsverlust auf.

  • Gronwall R, Engelking LR, Anwer MS, Erichsen DF, Klentz RD (1975). Bile secretion in ponies with biliary fistulas. American Journal of Veterinary Research 36(5):653–654. PMID: 1137211. Direkter equiner Beleg: Kontinuierliche biliäre Sekretion beim Pferd (keine Gallenblase, keine stossweise Entleerung).
  • MSD Veterinary Manual – Cholelithiasis in Large Animals. Frei online: msdvetmanual.com. Standardreferenz zur equinen Hepatobiliär-Anatomie.
  • Gronwall R, Engelking LR, Noonan N (1980). Direct measurement of biliary bilirubin excretion in ponies during fasting. American Journal of Veterinary Research 41(1):125–126. PMID: 7362117. Direkter equiner Beleg: Fasten-Hyperbilirubinämie beim Pferd. Erhöhtes Bilirubin bei schlecht fressenden Pferden ist nicht automatisch ein Leberkrankheits-Zeichen.
  • Coenen M, Vervuert I (2020). Kapitel 10.8 „Krankheiten der Leber" (S. 314). Nutritive Ursachen: Giftpflanzen (Kreuzkraut/Senecio), Schimmelpilze (Penicillium, Aspergillus), Mykotoxine (Aflatoxin), Schwermetalle (Blei), chronischer Vitamin-E-Mangel. Beobachtung, dass erhöhte Leberenzyme in der Routine-Blutuntersuchung „vielfach ohne klinische Symptome" gefunden werden.
  • Naylor JM, Bell RJW, Bailey JV (Hrsg., 2013). Equine Clinical Nutrition (Remillard et al.). Kapitel 12 „Plant-induced liver disease". Pyrrolizidinalkaloid-haltige Pflanzen (Kreuzkraut/Jakobskreuzkraut), Alsike-Klee, saponinhaltige Pflanzen. Sekundäre Photosensibilisierung: Phylloerythrin staut sich im Blut, wenn Leber zu 80 % oder mehr geschädigt – sichtbare Läsionen auf unpigmentierter Haut.

Referenzwerke im Überblick

  • Coenen M, Vervuert I (2020). Pferdefütterung. 6. Auflage. Enke Verlag. Deutsches Standardwerk der wissenschaftlichen Pferdefütterung.
  • Geor RJ, Harris PA, Coenen M (Hrsg., 2013). Equine Applied and Clinical Nutrition. Saunders Elsevier. Englischsprachiges Klinik-Standardwerk.
  • Naylor JM, Bell RJW, Bailey JV (Hrsg., 2013). Equine Clinical Nutrition (Remillard). Wiley-Blackwell. Klinisch-diätetisches Standardwerk mit ausführlichem Kapitel zu pflanzenbedingten Lebererkrankungen.
  • Reichling J, Frater-Schröder M, Saller R, Fitzi-Rathgen J, Gachnian-Mirtscheva R (2016). Heilpflanzen für die Veterinärpraxis. 3. Auflage. Springer.
  • National Research Council (2007). Nutrient Requirements of Horses. 6th Revised Edition. National Academies Press. DOI: 10.17226/11653.
  • Merck / MSD Veterinary Manual. Frei verfügbar: msdvetmanual.com
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